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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. September 2013

Denkmaltag: Blick auf unbequeme Zeitzeugen

BLICKFANG: Im Jahre 1905 löste die nackte Quellennymphe des von Hermann Billing entworfenen Stephanbrunnen einen Skandal aus. Für die heutigen Besucher kaum mehr vorstellbar. Foto: Knopf

BLICKFANG: Im Jahre 1905 löste die nackte Quellennymphe des von Hermann Billing entworfenen Stephanbrunnen einen Skandal aus. Für die heutigen Besucher kaum mehr vorstellbar. Foto: Knopf

GUT BESUCHT: das Bürklinsche Mausoleum auf dem Hauptfriedhof. Foto: Knopf

GUT BESUCHT: das Bürklinsche Mausoleum auf dem Hauptfriedhof. Foto: Knopf

AUSSEN PALAZZO, INNEN gEFÄNGNIS: gespannt lauschten Besucher Kunsthistorikerin Elisabeth Spitzbart von der JVA Riefstahlstraße. Foto: Knopf

AUSSEN PALAZZO, INNEN gEFÄNGNIS: gespannt lauschten Besucher Kunsthistorikerin Elisabeth Spitzbart von der JVA Riefstahlstraße. Foto: Knopf

REITERDENKMAL: Nicht nur an Wilhelm I. sondern auch an die Exekutierten der Badischen Revolution erinnert der Kaiserplatz. Foto: Knopf

REITERDENKMAL: Nicht nur an Wilhelm I. sondern auch an die Exekutierten der Badischen Revolution erinnert der Kaiserplatz. Foto: Knopf

 

An die 50 Bauwerke im Fokus

Unkonventionell war der Titel des "Tags des offenen Denkmals" am vergangenen Sonntag. "Jenseits des Guten und Schönen: unbequeme Denkmale" lautete der konzeptionelle Anspruch und machte viele Karlsruher neugierig auf fast 50 Programmpunkte.

Beispielsweise auf den Brunnen auf dem Stephanplatz. Heutzutage kaum mehr vorstellbar, welch Eklat die nackte Schönheit mit Krug in der Residenz einst auslöste. Entworfen wurde der Brunnen 1905 vom Architekten Hermann Billing ganz im Zeichen des Jugendstils. Allerdings war allzu viel Freizügigkeit nicht gerne gesehen. ?Es gab sogar Überlegungen die Quellnixe durch ein bekleidetes Trachtenmädchen zu ersetzen. Auch überregional wurde der Disput wahrgenommen?, so Führerin Renate Straub. Selbst der Münchner Illustrierten ?Jugend? war das Skandälchen aus dem Badischen eine Karikatur wert. Im Übrigen: Auf den Säulen rings um die Nymphe wurden die Gesichter prominenter Karlsruhe eingemeiselt. So starren neben Billing unter anderem der damalige OB Karl Schnetzler oder Hans Thoma auf die unbekannte Nackte.
Nur wenige Meter weiter auf dem Kaiserplatz am Mühlburger Tor standen das Reiterdenkmal von Kaiser Wilhelm I. sowie die Plaketten für die erschossenen Revolutionäre im Fokus. Vor gut zehn Jahren erinnerte man sich daran, dass eben auch den wackeren Pionieren der Badischen Revolution gedacht werden solle. Vorreiter waren Schüler des Markgrafen-Gymnasiums, die in einer Installation zuvor auf die in Rastatt Exekutierten aufmerksam machten. Wiederum nur einige Schritte weiter nahm eine Gruppe das Gefängnis in der Riefstahl-Straße unter die Lupe. Was nach außen wie ein schmucker Palazzo (Vorbild war ein Gefängnis in St. Petersburg) wirkt, sieht innen eher trister aus. ?Im Grunde ist es nur Maske eines Palazzos. Im Inneren sieht man sein wahres Gesicht?, erklärte Elisabeth Spitzbart. Zu entdecken gab es etliches ? das Bürklinsche Mausoleum auf dem Hauptfriedhof, Stolpersteine als Mahnmal für die Opfer der NS-Diktatur oder das ZKM, früher eine riesige Munitionsfabrik.  -voko-

 
 

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