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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Oktober 2013

Vergessene Rekorde

ERINNERUNG AN JÜDISCHE SPORTLERINNEN: Stadtarchivleiter Bräunche und Ausstellungsmacherin Linne (von links). Foto: Fränkle

ERINNERUNG AN JÜDISCHE SPORTLERINNEN: Stadtarchivleiter Bräunche und Ausstellungsmacherin Linne (von links). Foto: Fränkle

 

Schau über jüdische Sportlerinnen in Nazideutschland

"Vergessene Rekorde" ist die Ausstellung benannt, die noch bis einschließlich 15. November in der Gedenkstätte im Ständehaus zu sehen ist. Die Wanderausstellung des Zentrums für deutsche Sportgeschichte und der Universität Potsdam widmet sich der Geschichte dreier erfolgreicher jüdischer Sportlerinnen und ihrem Schicksal im Nationalsozialismus.

Gretel Bergmann, Lille Henoch und Martha Jacob konnten in der Zeit vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in ihren leichtathletischen Disziplinen große Erfolge vorweisen. Martha Jacob etwa, die 1929 Deutsche Meisterin im Speerwurf wird. Lilli Henoch sammelt in den 1920er Jahren mehrere deutsche Titel im Weitsprung, im Diskuswerfen und im Sprint. Mit der 100-Meter-Staffel des Berliner SC läuft sie 1926 in 50,4 Sekunden Weltrekord. Gretel Bergmanns deutscher Rekord von 1936 über 1,60 Meter im Hochsprung fügt der Deutsche Leichtathletikverband aber erst (DLV) 73 Jahre später in die Liste der Rekorde ein.

Dies "ist exemplarische dafür, wie deutsche Sportorganisationen mit den Erfolgen jüdischer Sportler umgehen", berichtete die Betreuerin der Ausstellung, Dr. Carina Sophia Linne, bei der Eröffnung. Die Schau war zum ersten Mal 2009 anlässlich der Leichtathletik-WM im Berliner Zentrum Judaikum zu sehen. Und dann reagierte der DLV.

Der Leiter des Karlsruher Stadtarchivs, Dr. Ernst Otto Bräunche, lenkte den Blick auf die Geschichte des jüdischen Sports in Karlsruhe und schilderte das Schicksal von Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, den Fußballern des KFV. Sie waren bis heute die einzigen deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens und werden erst seit diesem Jahr durch die Benennung einer Straße und eines Platzes nahe des ehemaligen KFV-Stadions geehrt. Der Deutsche Fußballbund vergibt zudem seit 2005 den Julius-Hirsch-Preis gegen Diskriminierung.

Die Ausstellung, zu der zum symbolischen Preis von einem Euro bei der Bundeszentrale für Politische Bildung ein Katalog erschienen ist, kann während der üblichen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek in der Ständehausstraße 2 bei freiem Eintritt besucht werden. -erg-

 
 

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