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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. November 2013

Nicht länger ohne Perspektive

 

Plenum verabschiedete das Gesamtkonzept Arbeit / Kommunale Arbeitsförderung für Langzeitarbeitslose / Fortschreibung

Karlsruhe gibt lange Zeit arbeitslose Menschen nicht auf und hat mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl das Gesamtkonzept Arbeit entwickelt. Dies zeigt den rechtlichen Rahmen kommunaler Arbeitsförderung auf und legt fest, welche ergänzenden Strukturen und Maßnahmen für das Gelingen des Unterfangens nötig sind.

Nach dem Willen des Gemeinderats, der das Papier auf seiner jüngsten Plenarsitzung einstimmig beschloss, soll dabei zunächst ein eng definierter Personenkreis im Mittelpunkt stehen. Um die 2.400 Menschen nämlich, die wegen vielfältiger Einschränkungen und Probleme und trotz intensiver Bemühungen weiterhin weder Job noch Perspektive haben.

Laut Gutachten der Kehler Experten kann Karlsruhe ihnen Arbeitsgelegenheiten im Rahmen psychosozialer Betreuung anbieten. Allerdings müssen die Tätigkeiten dieses dritten Arbeitsmarkts sinnvoll, zusätzlich und wettbewerbsneutral sein.

Eine Lenkungsgruppe hat erste Maßnahmen entwickelt: So sollen die bereits vorhandenen 40 Arbeitsgelegenheiten in dieser Sparte um 20 bis 30 Plätze erweitert sowie eine Koordinierungsstelle bei den städtischen Arbeitsförderungsbetrieben (AfB) eingerichtet werden. Für das Gesamtkonzept hat der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen im März unter Vorbehalt 300.000 Euro (2013) und 600.000 Euro genehmigt, dieser „Sperrvermerk“ ist nun weggefallen. 

„Wir geben niemanden auf“ nannte Bürgermeister Martin Lenz als Credo städtischer Sozialpolitik und baute auf „strategische Partnerschaften“ und „lokalen Konsens“. Es gehe um sinnvolle und unbefristete Arbeit, schließlich wolle man „keine Löcher auf- und dann wieder zubuddeln“, so Lenz.

Der Gemeinderat ziehe bei diesem Thema seit Jahren an einem Strang, freute sich CDU-Stadtrat Johannes Krug. Allerdings dürfe man sich trotz aller Bemühungen nicht der Illusion hingeben, „alle zu erreichen, ein gewisser Prozentsatz wird nicht zu fördern sein“. Es stehe Karlsruhe „gut zu Gesicht“ jene in den Fokus zu rücken, an denen der vielzitierte Aufschwung vorbeigegangen sei, betonte Stadtrat Michael Borner (GRÜNE).

„Selten habe ich eine derartige Einmütigkeit erlebt“, schwärmte SPD-Stadträtin Angela Geiger und dankte vor allem AfB-Geschäftsführerin Ariane Neumann, deren „Handschrift“ alles trage. Es gehe um nicht weniger als „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ knüpfte Heinz Golombeck (FDP) an das zuvor Gesagte an. Die Schaffung „wettbewerbsneutraler“ Tätigkeiten sah KAL-Stadträtin Margot Döring als „kitzelige Angelegenheit“, aber man habe ja versierte Mitstreiter aus Betrieben und Arbeitsmarkt im Boot. Und natürlich sei der Schritt zurück in den ersten Arbeitsmarkt möglich. Karlsruhe könne sich das Projekt leisten, so Friedemann Kalmbach (GfK), schließlich „gehört Arbeit zur Würde des Menschen“. Für OB Dr. Frank Mentrup wurde bei der Diskussion die „gemeinsame Verständigung auf ein Menschenbild deutlich, das der Stadt gut ansteht“. -maf-

 
 

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