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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. November 2013

Städtische Galerie: Immer an der Wand lang

EINE STUDIOPRÄSENTATION des Förderkreises Städtische Galerie widmet sich "cloud", einer Arbeit der Karlsruher Künstlerin Ulrike Michaelis. Ein Katalog erscheint Mitte November. Foto: Müller-Gmelin

EINE STUDIOPRÄSENTATION des Förderkreises Städtische Galerie widmet sich "cloud", einer Arbeit der Karlsruher Künstlerin Ulrike Michaelis. Ein Katalog erscheint Mitte November. Foto: Müller-Gmelin

 

Michaelis rockt den Raum

Weiter, immer weiter. Ulrikes Michaelis' Arbeit "cloud" rockt den Raum. Zwar sehr sacht, leise und filigran, aber mit unübersehbarer Präsenz.

Alles ist in Bewegung, alles im Fluss. Beine und Füße auf mit Schellack bearbeitetem feinem Chinapapier schwappen wie eine ungeordnete diffuse Marschformation an weißen Wänden entlang als wollten sie den Raum „umarmen“. Vertikal aufgetürmte rötlich-rostrote Farbbahnen geben dem wolkenleicht dahin ziehenden Liniengeflecht aus Füßen und Beinen Halt und Struktur.

Die Pforzheimer Absolventin der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe ist dahin zurück gekehrt, wo sie als Studentin vor fast 30 Jahren in der damals noch maroden, abbruchreifen alten Munitionsfabrik, dem heutigen ZKM-Hallenbau, eine provisorische Arbeitsecke eingerichtet hatte.

In einer Studioausstellung in der Städtischen Galerie hat sie unterstützt vom Förderkreis des städtischen Museums in den Raum ein im wahrsten Wortsinn „allumfassendes“ Wandbild modelliert.

Der Besucher ist geneigt, beim Betreten des Schauraumes der von Michaelis vorgegebenen Richtung zu folgen, sich einzuordnen in die Karawane aus dicken und zarten Strichen, die sich in rosa, weißen und gelben Farbfeldern  zu wolkenartigen Energiebündeln verdichtet. „cloud“ ist ohne Eile, ist etwas, das in einem gleich bleibenden Rhythmus langsam aber stetig dahin swingt.

Assoziationen zu einem visualisierten Wellnessfeeling würde die Künstlerin freilich als Fehlinterpretation in den Papierkorb verweisen. Allerdings ist die Auflösung des Wandrätsels auch keine sich dem Betrachter sofort erschließende Offenbarung: Ulrike Michaelis trägt ihre Gedankenwelt auf die Datenautobahn. Ihre schwebende Poetik „cloud“ will sie als nicht aufzuhaltende „Datenwolke“ verstanden wissen und thematisiert mit ihrer Arbeit die immer unübersichtlicher werdende Informationsflut eines digitalen Zeitalters, das Chancen bietet und Risiken birgt. Inspiriert, so Ulrike Michaelis, habe sie der koreanische Philosoph Byung-Chul Han und dessen Werk über digitale Rationalität. Die Ausstellung im Forum der Städtischen Galerie ist bis zum 16. Februar 2014 zu sehen. -Lä-

 
 

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