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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. November 2013

Wichtiges muss bleiben

Tagung zur Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter

Orientierung im Spannungsfeld zwischen dem Problem, digital aufbewahrte Daten zu sichern und dem Internet als oft unerwünschtem Gedächtnis wollte im ZKM die Tagung "Kulturverlust durch Gedächtniszersetzung? - Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter" geben.

Eröffnet von OB Dr. Frank Mentrup, lag sie auf der Linie des neuen städtischen Kulturkonzepts, das auf das Zusammenspiel von Technologie, Kunst und Recht setzt. Für Konzentration auf das Wesentliche sprach sich Karl-Dieter Möller, früherer ARD-Rechtsexperte, aus.

„Digitale Vergessenheit“ und „Lö­schungs- und Entscheidungs­anspruch des Einzel­nen“ waren Anliegen von  Bundesver­fas­sungs­­richter Prof. Dr. Johannes Masing, Prof. Dr. Mayer-Schönberger, Oxford-Inter­net-Institut und des hessischen Datenschutz­beauf­trag­ten Prof. Dr. Michael Ronellen­fitsch. Kulturamtsleiterin  Dr. Su­sanne Asche konstatierte:  „Was im Netz ist, ist ewig drin, gefragt ist eine sinnvolle Entscheidungs­struktur der Ent­scheider, was über­dauert“.

Ein öffentliches Tagebuch im Netz zu führen, sei nicht problemlos möglich, ohne das extrem veränderte Verständnis von Privatheit zu klären, so Rechts­anwalt Dr. Till Kreutzer. Obwohl die NSA Privatheit extrem zerstöre, „sollten die Kommunikationsmittel des Netzes erhalten bleiben“, wünschte sich Netzaktivist Alvar. Früher sei Vergessen die Regel und Erinnern die Ausnahme gewesen. Notwenig sei eine neue Erinnerungskultur, wie man mit Erinnerungsmitteln, die nicht im Gehirn sind, umgehe.

Für den Einzelnen werde es in Sachen amerikanische Ausspähung erst bei persönlicher Betroffenheit interessant, etwa wenn er nicht mehr in die USA einreisen dürfe, weil er zufällig auf einer Terrorliste gelandet sei, so  Ronellenfitsch.  Zur Bedeutung von Archiven wies Stadtarchivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche auf die Funktion von Archivgesetzen als Urheberge­setzen hin. Dr. Gerald Maier (Landesarchiv) berichtete über technische Erhaltungsstra­te­gien für Daten wie Migration (Übertragung auf neue Techniken) oder Emulation (komplexe auf einfachere Systeme bringen). -cal-

 
 

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