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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. November 2013

Bühne für römische Götterwelt

DER ISIS-TEMPEL von Pompeji gilt  der als der am besten erhaltene der ägyptischen Mutter- und römischen Universalgottheit außerhalb Ägyptens. Das BLM hat ihn im Maßstab 1:100 nachbauen lassen.   Foto: Fränkle

DER ISIS-TEMPEL von Pompeji gilt der als der am besten erhaltene der ägyptischen Mutter- und römischen Universalgottheit außerhalb Ägyptens. Das BLM hat ihn im Maßstab 1:100 nachbauen lassen. Foto: Fränkle

DIE ÄGYPTISCHE ISIS wurde bei den Römern zur Universalgöttin Foto: Fränkle

DIE ÄGYPTISCHE ISIS wurde bei den Römern zur Universalgöttin Foto: Fränkle

 

Einzigartige Schau im Landesmuseum thematisiert religiöse Vielfalt und Toleranz

Eine großartig inszenierte Bühne für das römische Götterreich, bevölkert von rund 400 Statuen, Statuetten, Reliefs, Fresken, Gemälden und weiteren Kunstwerken, hat das Badische Landesmuseum (BLM) derzeit aufgebaut.

Bereichert wird die Ausstellung "Imperium der Götter" zudem von Tempelmodellen sowie begehbaren, originalgroßen Bauten eines Mithräums und einer Katakombe. Die hochkarätigen Leihgaben kommen aus den archäologischen Museen Roms, aus Neapel, Wien, und deutschen Sammlungen.

"Als Lehrstück über Toleranz und Intoleranz schon vor knapp 2000 Jahren" sieht BLM-Chef Prof. Dr. Harald Siebenmorgen das gerade heute äußerst aktuelle Miteinander unterschiedlicher, auch immer wieder neuer  Religionen. Ausgewählt hat er mit den Kuratorinnen Susanne Erbelding und Romy Heyner  die Mysterienkulte der griechischen Korn- und Erdgöttin Demeter, des griechisch-römischen Weingottes  und  Dionsos-Bacchus, der Orpheusanhänger und des  stiertötenden Mithras.

Dazu kommen die Verehrung der ägyptischen Mutter- und römischen Universalgöttin Isis, der kleinasiatischen Mutter-, Natur- und Schutzgottheit Roms, Mater Magna/Kybele  und  des syrischen Schutzgottes von Kaiser und Reich, Jupiter Dolichenus sowie des rätselhaften Jupiter Sabazios.

Abgelöst wurden all diese Kulte schließlich von dem aus dem Judentum entstandenen Christentum, das keine Verehrung anderer Götter mehr zuließ. Letztere allerdings war für die Römer mentalitätsbildend. Immerhin hielten sie sich  für die religiösesten aller Menschen und erkundeten daher vor allen wichtigen Handlungen den Willen der jeweiligen Spezialgötter oder suchten sie mit Votivgaben und Opfern gnädig zu stimmen.

So trifft das Publikum eingangs auf die griechisch-römische Götterfamilie mit Jupiter, seiner Frau Juno und der Weisheitsgöttin Minerva an der Spitze in Form von den Göttern entsprechenden "überirdisch schönen" Statuetten. Eine Tempelinszenierung verdeutlicht  Kultpraktiken, etwa mit silbernen Weihegaben. Das berühmte Bacchanaliendekret  aus dem zweiten Jahrhundert dokumentiert die vermeintliche Bedrohung des Staates durch eine Mysterienreligion. Vom dem, nur Männern vorbehaltenen Kult des Schöpfergottes Mithras zeugen die vier bedeutendsten Altarreliefs Deutschlands, davon zwei aus dem BLM,  Kultgeschirr oder ein einzigartiges Kultschwert aus dem unterirdischen Versammlungsort Riegel. Isis, Vorbild für die christliche Maria, und Magna Mater sind mit lebensgroßen Marmorstatuen, Tempelmodellen und sprechenden Priesterdarstellungen, auch von Eunuchen repräsentiert.

Die einzig existierende Doppelplastik zeigt Jupiter Dolichenus mit Gattin, umgeben von Silbervotiven und bronzenen Standartenaufsätzen. Von den Akzeptanzschwierigkeiten des Christentums zeugt, die früheste Kreuzigungsdarstellung, die als Steingraffito Jesus mit Eselskopf verunglimpft.

Die Schau läuft  bis 18. Mai im Schloss. Info: www.landesmuseum.de, Vor Ort kostet der 480-seitige Katalog mit rund 500 Abbildungen 29,50 Euro.  -cal-

 
 

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