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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. November 2013

Gemeinsames Lernen

STRUKTURWANDEL AN DER ANNE-FRANK-SCHULE in Oberreut: Der Gemeinderat machte den Weg frei für eine Umwandlung der Grund- und Werkrealschule in eine Gemeinschaftsschule. Foto Fränkle

STRUKTURWANDEL AN DER ANNE-FRANK-SCHULE in Oberreut: Der Gemeinderat machte den Weg frei für eine Umwandlung der Grund- und Werkrealschule in eine Gemeinschaftsschule. Foto Fränkle

 

Anne-Frank-Schule wird die dritte Gemeinschaftsschule / Verbaler Schlagabtausch im Plenum

Mit der Einrichtung von Gemeinschaftsschulen folgt Karlsruhe einem europaweiten Trend. Der vom Gemeinderat beschlossenen pädagogischen Neuorientierung der Anne-Frank-Schule ging Dienstagabend wie erwartet ein verbaler Schlagabtausch von Befürwortern und Gegnern voraus.

Als dritte Karlsruher Einrichtung wird die Anne-Frank-Schule in Oberreut ihre Ranzen auf dem Weg zu einer Gemeinschaftsschule neu sortieren. In ihrer pädagogischen Struktur folgt sie der Mühlburger Drais-Schule und der Augustenburg Schule in Grötzigen. Während die CDU den vom rot-grünen Landesplenum favorisierten Bildungsweg mit heftig verbalem Trommelfeuer die Gefolgschaft versagte, enthielt sich die GfK bei der Abstimmung.

Vor der Stimmabgabe warb Schuldezernent Dr. Martin Lenz noch einmal für den dritten Pfeiler auf der Karlsruher Baustelle für Gemeinschaftsschulen. Er beschrieb den Inklusionsgedanken und die schnelle Erreichbarkeit der Anne-Frank-Schule aus allen Stadtteilen mit dem ÖPNV.

Trotzdem - als Johannes Krug (CDU) sein Mikrophon einschaltete war klar, dass Karlsruhes Stadträte auf unterschiedlichen bildungspolitischen Pfaden unterwegs sind. Für den Bildungserfolg seien Gemeinschaftsschulen ein Hindernis, warnte der Christdemokrat. Schon deren Leitorientierung führe in die Irre: "Die Starken und Ruhigen animieren nicht immer die Schwachen und Unruhigen zu besseren Leistungen", stellte der hauptberufliche Lehrer fest. Von "Gleichmacherei" und kommendem Aus für Realschule und Gymnasium sprach CDU- Fraktionschefin Gabriele Luczak-Schwarz. Die Gemeinschaftsschule versperre begabten Kindern den Weg in deren Zukunft. CDU-Stadtrat Detlef Hofmann meinte, nur weil der Schultyp früher nicht als Modellschule durchsetzbar war, dürfe man ihn jetzt nicht "als Experiment durchpeitschen". Die Auffassung, dass es gar kein Experiment sei, sei kein Grund, einem nicht erprobten System blind hinterher zu laufen.

Auch den Grünen wäre eine Modellschulphase recht gewesen, verteidigte Uta van Hoffs (GRÜNE) die städtische Beschlussvorlage. Weil dies nicht gelang, wurde die Gemeinschaftsschule als Regelschule eingeführt. Van Hoffs betonte, dass in Oberreut alle Lehrer und Eltern hinter der Initiative stünden. Gerade in Oberreut sei die individuelle Förderung besonders wichtig, stellte sich auch Ute Müllerschön (SPD) hinter das Vorhaben für ein längeres gemeinsames Lernen. In Oberreut sei ein mittlerer Bildungsabschluss angestrebt, fuhr die Stadträtin fort. Die Gemeinschaftsschule könne nicht jedes Kind zum Abitur führen. Darum sollten sich Eltern für ihre Kinder den jeweils passenden Schultyp aussuchen.

Für die FDP gab Karl-Heinz Jooß ein deutlich zögerndes Ja ab und bekannte sich zur freien Schulwahl. Kein Leistungssportler wolle mit einem Freizeitsportler trainieren - allenfalls beim Warmlaufen, so Jooß, der nachfragte, ob für den Schultyp auch genügend Lehrer ausgebildet und vorhanden seien. Lüppo Cramer (KAL) bescheinigte der Anne-Frank-Schule indessen ein "wichtiges und gutes Konzept".

"Wir sind offen, weil wir noch nichts über den Erfolg des Schulwegs wissen", erklärte Friedemann Calmbach und enthielt sich für die GfK der Stimme. Dass es höchste Zeit sei, europäischen Standard an deutschen Schulen zu erreichen, fand Niko Fostiropoulus (Die Linke) und verlangte: "Nicht früh sieben, sondern früh fördern." -Lä-

 
 

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