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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Januar 2014

Kultur: Gewalt als Schokodrops

IKONEN aus einer unbeschwerten Comicwelt mit dem Lustobjekt Waffe als Repräsentanten von Objekten der Gewalt.  Foto: Fränkle

IKONEN aus einer unbeschwerten Comicwelt mit dem Lustobjekt Waffe als Repräsentanten von Objekten der Gewalt. Foto: Fränkle

 

"Smart Pistols" ZKM / Skulpturen von Kata Legrady

Kalaschnikows, ABC-Masken, Raketen und Totenköpfe: Nur scheinbar allen gemeinsam ist der Kampf gegen Kalorien, nicht das Sinnen nach Tod und Verderb. In ihrer Ausstellung "Smart Pistols" im ZKM-Museum für Neue Kunst setzt Kata Legrady auf Irritation. Hier Kindheit und Lust auf Smarties, dort Erwachsensein und das Instrumentarium für Mord und Krieg.

Die ungarische Künstlerin steckt ein Szenario des Schreckens in ein liebliches Gewand aus tausend bunten Schokodrops. Damit entlarvt sie auch Werbeauftritte von Militärs in Schulen oder Propagandafilme für den Eintritt in die Armee als explosive Mogelpackung: Hinter den gefälligen, scheinbar harmlosen Objekten in der Ausstellung, dem Suggerieren von Abenteuer und Techniklust in der Welt der Krieger verbergen sich Gewalt, Terror und Sterben.

In düsteren Räumen vor schwarzen Wänden posieren fröhliche Micky Maus-Figuren mit Waffen, eine grell-pinke Rakete schwebt als dekoratives Spielzeugelement im finsteren Museumsgang, und mit Geldscheinen tapezierte Pistolen hängen als Hinweis auf eine militarisierte Konsum- und Geldgesellschaft in Vitrinen. Auch das will Kata Legrady dem Besucher auf dem engen Pfad zwischen Gewalt, Ausbeutung und Lust mit auf den Weg geben: Waffen sind längst nicht das alleinige Werkzeug von Macht und Unterdrückung, vielmehr zwingen die Diktatur des Kapitals sowie der Konsum und das Verlangen nach La Dolce Vita in ökonomische Abhängigkeiten.

Die Ausstellung ist bis 30. März zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwochs bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. -Lä-

 
 

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