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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 31. Januar 2014

Geschichte: Rolle im Widerstand anerkennen

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus hatte Gewerkschafter im Blick

Weltwirtschaftskrise, hohe Arbeitslosenzahl, deutliche Mitgliederverluste und ausgeprägtes Legalitätsdenken trugen wesentlich dazu bei, dass die Nationalsozialisten die in Richtungsgewerkschaften gespaltene Gewerkschaftsbewegung im Frühjahr 1933 ohne großen Widerstand zerschlagen konnten.

Zahlreiche Gewerkschaftsführer, die noch 1933 die Anpassungspolitik gegenüber den Nazis befürwortet hatten, organisierten sich wenig später in illegalen Widerstandsgruppen oder bekämpften in der Emigration das NS-Regime. Diese tapferen Männer und Frauen wurden zu Tausenden Opfer, ließen zu Hunderten ihr Leben.

Und doch werde deren Rolle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der bisherigen Literatur "zu Unrecht unterschätzt", betonte Prof. Dr. Siegfried Mielke bei der Veranstaltung der Stadt am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. An dem stand in diesem Jahr das Thema Verfolgung und Widerstand von Gewerkschaftern zwischen 1933 und 1945 im Mittelpunkt.

Und der frühere Leiter des Otto-Suhr-Instituts an der Freien Universität Berlin unterzog denn auch "der bundesdeutschen Erinnerungskultur, die Gewerkschaften als Randgruppen im Widerstand betrachtet" mit den Ergebnissen seiner Forschung "einer Korrektur". Seine Recherchen hatten beim Sichten der Wiedergutmachungsakten und von ausländischen Archiven vielfältige internationale Kontakte von Gewerkschaftern ergeben. Darüber hinaus hatte er Belege gefunden für zahlreiche Vernetzungen des illegalen Widerstands "auf dem Gebiet des gesamten Reichs".

Die Aktionen dieser Gruppen, die es ins rechte Licht zu setzen gelte, sah Mielke darüber hinaus als Beweis dafür, dass "es auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist, sich zu wehren".

Der Blick zurück sei keineswegs "ein Selbstzweck der reinen Geschichtsvermittlung", schlug OB Dr. Frank Mentrup in seiner Rede den Bogen hinein in die Gegenwart. Er solle vielmehr dabei helfen, so Mentrup, "die heutige rechte Propaganda und ihre Ziele richtig zu bewerten". Die junge Generation brauche nicht nur die "Opferperspektive", sondern auch Vorbilder für Zivilcourage und Widerstand.

Das Trio D´Anches umrahmte die Feier mit Werken von Erwin Schulhoff. Den Komponisten hatten die Nazis auf der bayrischen Wülzburg interniert, auf der er im Jahre 1942 an Unterernährung starb. -trö-

 
 

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