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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Februar 2014

Grüne: Armut gibt es auch in unserer Stadt!

GRÜNE-Stadträtin Dr. Dorothea Polle-Holl

GRÜNE-Stadträtin Dr. Dorothea Polle-Holl

 

Stimmen aus dem Gemeinderat

In den meisten Großstädten sinkt der Anteil der Menschen, die Hartz IV beziehen. Gleichzeitig aber ist die Armutsquote in vielen Städten zwischen 2005 und 2013 deutlich gestiegen. Zum Glück lässt es sich in Karlsruhe ganz gut leben, dennoch gibt es auch in unserer verhältnismäßig wohlhabenden Stadt Menschen ohne Wohnung.

Die Zahl der Wohnungslosen liegt in Karlsruhe bei etwa 300 Personen, und steigt momentan wieder an auf einen neuen Negativ-Rekord. Grund dafür sind vor allem fehlende günstige Mietwohnungen, die für viele Familien und Menschen mit geringem Einkommen sehr wichtig sind. Im Gemeinderat sind sich bei diesem Thema zum Glück alle einig: Ein auch von uns GRÜNEN mit initiiertes Wohnraumförderprogramm wurde in der letzten Gemeinderatssitzung beschlossen.

Oft scheint das Schicksal Wohnungsloser so weit von unserer heilen Welt entfernt, dennoch sind sie ein Teil unserer Gesellschaft. Dabei gibt es unter den scheinbar Gescheiterten sehr unterschiedliche Biografien; im Grund kann jeder und jede durch unglückliche Häufung, etwa von Arbeitsplatz- und Beziehungsverlust und damit verbundenen finanziellen Problemen, in eine verzweifelte Situation geraten. Die Abteilung Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde akquiriert leer stehende Etagen oder ganze Gebäude, deren Modernisierung sich privatwirtschaftlich nicht rechnet, und renoviert sie in Kooperation mit den Eigentümer/innen. Wer also leer stehenden Wohnraum (wieder) vermieten will, kann dies mit sozialpädagogischer Begleitung und garantierter Mieteinnahme tun und damit helfen, manche Not zu lindern.

Armut ist aber weit mehr als ein Mangel an Einkommen. Die Betrachtung der Lebenslagen armer Menschen zeigt eine Unterversorgung in den verschiedensten Bereichen, neben Wohnen oft auch in Bezug auf Bildung, Gesundheit oder Kultur. Es geht im Kern um die ungleiche Verteilung der Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.Armut bekämpfen heißt auch und vor allem: Arbeitslosigkeit senken, für gute Arbeit sorgen, und endlich Mindestlöhne einführen; politische Ziele, die wir GRÜNEN in der Vergangenheit immer verfolgt haben und die uns auch in der Zukunft sehr wichtig sein werden.

Ganz besonders sind Kinder und alte Menschen von Armut bedroht. Hier setzen wir uns für wirksame Hilfen ein, z.B. Erweiterung des Personenkreises des Karlsruher Pass für ältere Menschen, die keine Grundsicherung beanspruchen können, aber deren Rente sehr gering ist und die somit auf ergänzende, freiwillige Sozialleistungen angewiesen sind. Gleiches gilt für den Kinderpass, der in seinen Leistungen sinnvoll erweitert werden könnte. Für Junge wie Alte sind soziale Netzwerke und  Beziehungen besonders wichtig, sie müssen genutzt und gepflegt werden können. Dazu bedarf es kurzer Wege und guter Nachbarschaft im Quartier sowie sozialverträglicher bezahlbarer Mehrgenerationenprojekte, hier sehen wir noch viel Potential in unserer Stadt.

In diesem Sinne Ihre

Dorothea Polle-Holl

 
 

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