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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Februar 2014

Kultur: Wutbürger als Künstler

 

Globaler Aktivismus als Kunstform des 21. Jahrhunderts

Jeder Mensch sei laut Joseph Beuys ein Künstler. Na gut, könnte man sagen. Abgehakt. Weil Beuys Feststellung jedoch zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit aus der Zitatenschatulle gekramt und sogar als Qualifikationsnachweis für Hobbymaler und Freizeittöpferinnen herhalten muss, ist der Satz längst zum Evergreen unter kunstaffinen Zeitgenossen geworden.

Dabei bezog sich Beuys erweiterter Kunstbegriff keineswegs auf Sonntagsmaler oder schlummernde Talente, sondern auf den Prozess einer Entwicklung und Realisierung von Freiheit, der Lebensgestaltung und die Welt  des Menschen als "Kunstwerk" begreift.

Die Ausstellung "Global aktivism" im ZKM  folgt bis 3. März diesem erweiterten Kunstbegriff. Zentrales Thema ist der politisch inspirierte globale Aktivismus, der mit Aktionen, Demonstrationen und Kunstaktionen im öffentlichen Raum bestehende oder drohende politisch unliebsame Verhältnisse wie Stuttgart 21 kippen will.

Auch Initiativen wie "Pussy Riot" oder Protestbewegungen wie "Occupy" zeigen, was außerparlamentarisches bürgerschaftliches Engagement bewirkt.

Mit dem Eingreifen der Kunst treten anstelle von Ölgemälden Flugblätter und Plakate, Youtube-Videos lösen Kunstfilmproduktionen ab. Die ZKM-Ausstellung will mit Fotos, Blogs, sozialen Medien und massenmedialen Dokumenten globalen Aktivismus als die erste neue Kunstform des 21. Jahrhunderts zeigen. Und auch das sagte Beuys: "Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit". -red-/-Lä- 

 
 

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