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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. Februar 2014

Kultur: Ein Wiedersehen mit Rembrandt

 

?Monument Man? Harry Ettlinger erhielt in der Kunsthalle die Staufermedaille

Harry Ettlinger ist gefragt wie noch nie. Als einer der letzten noch lebenden ?Monuments Men?, jener Spezialeinheit der US-Streitkräfte, die nach dem Zweiten Weltkrieg Raubkunst aufspürten, absolviert er seit Wochen Termin um Termin. Reist durch Europa, gibt Interviews.

Der 88-Jährige verdankt seine späte Popularität Hollywoodstar George Clooney und dessen Film über die „ungewöhnlichen Helden“, der bei der Berlinale Deutschlandpremiere hatte. Auf Einladung von SWR2 und Staatlicher Kunsthalle kam Ettlinger am vergangenen Samstag, 15. Februar, nach Karlsruhe und erhielt von Baden-Württembergs Kunststaatssekretär Jürgen Walter die Staufermedaille in Gold, eine der höchsten Ehrungen des Landes. 

Es war ein berührendes Wiedersehen - mit seiner Heimatstadt, in der er 1926 geboren wurde und aus der er 1938 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in die USA floh, aber auch mit dem Selbstbildnis Rembrandts. Jenem Gemälde, das er als junger US-Soldat in einer von vielen tausend Kisten im Heilbronner Salzbergwerk fand und dessen Rückgabe die Karlsruher Kunsthalle ihm verdankt.

Ettlinger kannte den Rembrandt aus Kindertagen, sein Großvater besaß davon eine Druckgraphik. Die Betrachtung des Originals blieb dem Jungen damals allerdings verwehrt, unter Hitler durften Juden Museen nicht betreten. In einem Podiumsgespräch mit der Provenienzforscherin Tessa Rosebrock (Kunsthalle Karlsruhe), dem Historiker Professor Christhard Schrenk (Heilbronn) und Thomas Adam (Bruchsal) erzählte Ettlinger von seiner Mission.

Wie überall, wo der rüstige alte Herr derzeit auftaucht, sind Medien- und Publikumsresonanz riesig. Ettlinger genießt seine Auftritte. Es erfülle ihn mit Stolz, dass „wir damals nicht gekommen sind, um Kunstwerke an uns zu reißen, sondern sie an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben“, diktiert er in die Mikrofone. Seit dem Gurlitt-Fund ist die Diskussion um NS-Raukunst in Deutschland neu entbrannt.

Mit den „Monuments Men“ lieferte George Clooney den passenden Film und setzte Ettlinger und den anderen mutigen Kunstdetektiven ein Denkmal. „Man kann Menschen einer ganzen Generation auslöschen, ihre Häuser niederbrennen, sie werden immer einen Weg zurück finden. Vernichtet man aber ihre Geschichte, ihre Errungenschaften, ist es, als hätten sie nie existiert. Das will Hitler erreichen - und genau dagegen kämpfen wir", heißt es darin. -maf-

 
 

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