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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. März 2014

Kultur: "Auch für uns ist vieles Neuland"

FOYER-GESPRÄCH IM ZKM: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (r.) diskutierte mit Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke über aktuelle politische Themen. Foto: Knopf

FOYER-GESPRÄCH IM ZKM: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (r.) diskutierte mit Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke über aktuelle politische Themen. Foto: Knopf

 

Cicero-Gespräch im Foyer des ZKM mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Um den Ministerpräsidenten aus dem Nähkästchen plaudern zu hören, dafür kamen viele kürzlich ins ZKM. Baden-Württembergs Landesvater Winfried Kretschmann stellte sich dort den Fragen des Polit-Magazins „Cicero“.

Normalerweise finden die Foyer-Gespräche des Magazins in Berlin statt. Dieses Mal talkte Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke im Badischen.

Äußerst aufgeräumt präsentierte sich Kretschmann in seiner Zwischenbilanz als Ministerpräsident. Im Zentrum standen Themen wie die Umstrukturierung der Bildungslandschaft, die Energiewende oder Bürger-Partizipation. Schwennicke begrüßte den gewohnt bescheiden auftretenden Politiker als „Merkels Lieblings-Grünen“.

Erstes heißes Eisen: Einschnitte bei der Lehrerschaft und die Einführung von Gemeinschaftsschulen. „Das sind schwierige Themen gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel. Wenn wir zehn Prozent weniger Lehrer einstellen, wird oft nie hinzu gefügt, dass wir auch 20 Prozent weniger Schüler haben. Wir investieren viel in die frühkindliche Bildung. Zudem haben wir 1.000 Sozialarbeiter eingestellt“, so Kretschmann.

Auch mit der Aufweichung des dreigliedrigen Schulsystems habe mancher seine Probleme. Er verstehe dies. „Es ist ja vieles Neuland – auch für uns. Das geht nicht von heute auf morgen –da ist auch viel Emotionalität im Spiel.“ Aber gerade die Gemeinschaftsschule mit ihrem Ansatz zur individuellen Förderung sei wichtig, so Kretschmann. Er als Lehrer wisse das. Weiterer Diskussionspunkt war der Bildungsplan zur sexuellen Vielfalt. Gegner mobilisieren gegen die Aufwertung des Themas Homosexualität im Unterricht. Den Ministerpräsidenten ficht das nicht an. „Die Wucht der Reaktionen hat mich überrascht, auch wenn wir keinen Kulturkampf wollen.“

Der 65-Jährige, der sich als passionierter Heimwerker outete, beantwortete auch Fragen zum Nationalpark, zur Energiewende und zu mehr Partizipation. Letzteres kritisierte ein Zuhörer in der Runde. Seiner Ansicht wurde zu sehr auf Prestige-Projekte wie den Nationalpark und weniger auf formale Verbesserungen bei der Bürgerbeteiligung gesetzt.

Eine Kritik, die Kretschmann von sich wies. Er nannte sich einen überzeugten Landespolitiker, der sich auch von guten Umfrageergebnissen nicht blenden ließe. „Als guter Christ weiß ich, dass zwischen Hosianna und kreuzigt ihn nur drei Tage liegen“, fügte er launig mit oberschwäbischen Akzent hinzu. -voko-

 
 

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