Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. März 2014

Kombilösung: Kein Abluftkamin am Karlstor

ZUKUNFTSMUSIK: Diese Gestaltung der Absauganlage am Karlstor empfahl die Jury.  Bis Mittwoch waren alle Arbeiten im K. zu sehen. Foto: Müller-Gmelin

ZUKUNFTSMUSIK: Diese Gestaltung der Absauganlage am Karlstor empfahl die Jury. Bis Mittwoch waren alle Arbeiten im K. zu sehen. Foto: Müller-Gmelin

 

Tunnel Kriegsstraße: Versuch mit Stickoxid-Abbau durch Photokatalyse

Der Kriegsstraßen-Tunnel wird ohne Abluftkamin für den Verkehr freigegeben. Die Abluftanlage am Tunnelportal am Karlstor sei zwar noch nicht völlig vom Tisch, erläuterte OB Dr. Frank Mentrup vergangenen Freitag. Es gebe aber berechtigte Hoffnung, dass die „Entwarnung“ auch nach 2020 Gültigkeit hat.

Zum einen gebe es bei der per Modellberechnung ermittelten Verkehrsentwicklung Unsicherheitsfaktoren - etwa berücksichtigt diese keine Elektro-Fahrzeuge (Null-Emissionsfahzeuge). Zum anderen versprechen sich Stadt und KASIG mit einem neuen Verfahren zur Reduktion von Stickoxiden (NOX) das Einhalten des Grenzwerts. Auf Basis der Verkehrsprognosen  2030 ist als Vorgabe für den Bebauungsplan eine rund zehnprozentige Überschreitung ermittelt worden, was zur Planung mit Abluftkamin zur Entlüftung des Tunnels führte.

Die Portalabsaugung unterirdisch technisch vorbereiten, dann zuwarten bis im ersten Betriebsjahr tatsächliche Messergebnisse vorliegen. Das ist der Weg, den auch die Genehmigungsbehörden mitgehen. „Diese mussten sich hierfür ein stückweit bewegen“, verdeutlichte Mentrup das Aufeinanderzugehen. Sollte die „Rechnung ohne Kamin“ nicht aufgehen, muss nachgerüstet werden. Vor dem Hintergrund der aufkeimenden Diskussion um den zwischen Weltzien-Haus und Bundesgerichtshof-Areal vorgesehenen Abluftkamin hatte OB Mentrup vor rund vier Monaten die KASIG beauftragt, „alles Erdenkliche“ zu unternehmen, um „zu alternativen Lösungen zu kommen, ohne den vorschriftsmäßigen Betrieb des Stadtbahntunnels zu gefährden“.

Von rund 17 verschiedene Varianten als Alternative zur Portalabsaugung  seien sechs näher untersucht worden, informierte KASIG-Geschäftsführer Uwe Konrath. Fünf davon - etwa Öffnungsschlitze in der Tunneldecke, um den Schadstoffausstoß großflächiger zu verteilen, oder die Verlängerung des Westportals mit einer offenen Rasterdecke zur Abgas-Verwirbelung - schieden bei näherer Betrachtung aus. Unterm Strich sei nur ein relativ neues Verfahren wert gewesen, weiter zu verfolgen. Die in einigen Ländern derzeit getestete Methode beruht auf einer chemischen Reaktion: Danach katalysiert Titandioxid unter Lichteinfluss NOX zu Nitrat.

In der Reinhold-Frank-Straße soll nun auf 500 Quadratmeter die Pflasteroberfläche mit dem für diese Reaktion „zuständigen“ Titandioxid versetzt werden. In den nächsten Jahren soll geprüft werden, wie schnell die Wirksamkeit nachlässt und wie  hoch der Schadstoff-Abbau ist.

Und sollte der Abluftkamin doch gebaut werden müssen, wird dies nach dem Entwurf des Teams „PIA-Architekten mit Andrew Holmes“ geschehen. Denn letzte Woche entschied sich die Jury im konkurrierenden Entwurfsverfahren zur Gestaltung der oberirdischen Abluftanlage sowie der Ein- und Ausfahrrampen unter vier Beiträgen für diese Arbeit. Sie löst den Kamin in drei Dreiecks-Prismen auf, die in ein fünf Meter breites Heckenband integriert werden sollen. Die Stahlkonstruktion mit satiniertem Glas wäre „im Falle eines Falles“ rasch aufzubauen. -rie-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe