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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. April 2014

Geschichte: Für Karlsruhe 18 Jahre geklotzt

MOTOR des Wiederaufbaus: OB Günther Klotz  Foto: Stadtarchiv

MOTOR des Wiederaufbaus: OB Günther Klotz Foto: Stadtarchiv

 

Biographie über OB Günther Klotz erschienen / Bild der Stadt wesentlich gestaltet

Das Buch war lange überfällig und liegt jetzt mit der packend geschriebenen Dissertation von René Gilbert vor: "Günther Klotz. Die politische Biographie eines badischen Kommunalpolitikers". Es ist die Geschichte eines Mannes, der seine Stadt von 1952 bis 1970 tatkräftig und entschlossen in großen Dimensionen gestalten konnte wie kein Stadtoberhaupt vor und nach ihm.

Als diese Ära sich dem Ende zuneigte, verzichtete er, der "nicht nur Vollstreckungsorgan des Stadtrates" sein wollte, am 18. November 1969 im Alter von 59 Jahren auf eine dritte Amtszeit. Am 7. April 1972 ist er gestorben.

Am 21. März 1911 in Freiburg geboren, machte Günther Klotz nach der mittleren Reife eine Lehre als Betonhandwerker, um darauf in Karlsruhe ein Tiefbaustudium zu setzen, das er 1935 als Bauingenieur abschloss. Danach arbeitete er beim städtischen Tiefbauamt. Da er nicht NSDAP-Mitglied werden wollte, wechselte er zur Firma Jordan, die er ab 1940 als Geschäftsführer leitete.

In dieser Eigenschaft wurde er Ende 1945 mit der Bauleitung B der Trümmerräumung der zerstörten Stadt betraut. Mit seinen Arbeitern,  denen er, menschlich verbunden, faire Arbeitsbedingungen verschaffte, räumte er im Rekordtempo die gewaltigen Schuttmengen aus der Stadt. Mit dem Ergebnis, dass Karlsruhe 1947 als die am besten geräumte, deutsche Stadt galt.

Das verschaffte ihm große Popularität - die Grundlage für den Erfolg des Sozialdemokraten bei der OB-Wahl 1952. Als Oberbürgermeister klotzte er im wahrsten Sinne des Wortes. An erster Stelle stand für ihn die Bekämpfung der Wohnungsnot. Bis Ende der 60er Jahre entstanden über 50 000 Wohnungen, bei deren Bau mit der Volkswohnung er auch auf Wohn- und Lebensqualität Wert legte. Mit  Waldstadt, Mühlburger und Beiertheimer Feld erschloss er neue Baugebiete,  begann mit der Sanierung der Altstadt und ordnete den Straßenverkehr neu, etwa mit dem Baubeginn der Südtangente.

Kritisch gesehen und heute revidiert wird sein Konzept der autogerechten Stadt nun durch den Umbau der Kriegsstraße. Mit Beteiligung an der Albtalbahnsanierung samt Vereinheitlichung der Spurenweite von Albtal- und Straßenbahn legte er die Grundlage für das vorbildliche Nahverkehrssystem. Aus sein Konto ging ebenso die Gestaltung des Festplatzes  mit den drei Hallenbauten Erich Schellings wie der Neubau des Staatstheaters. Den Verlust der Hauptstadtfunktion kompensierte er mit der Ansiedlung zahlreicher Bundes- und Landesbehörden - allen voran der des Bundesverfassungsgerichts. Auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeitsplätzen in Verwaltung, Wirtschaft und Forschung zielend, holte Klotz Firmen wie Pfizer, Michelin und LÓréal in die Stadt, etablierte zwei Raffinerien und das Kernforschungszentrum.

Mit der Instandsetzung des Deportiertenfriedhofs in Gurs, für die er badische Städte ins Boot holte, leitete er die Erinnerungsarbeit der NS-Gräuel ein. Einher ging für ihn die Integration Europas, angefangen mit der Städtepartnerschaft mit Nancy. Den Höhepunkt seines rastlosen Wirkens markierte die Bundesgartenschau 1967. Durch die dauerhafte Modernisierung von Freizeit- und Erholungsflächen wollte er die Stadt auch für Touristen attraktiv machen. Als der Gemeinderat aus Kostengründen jedoch eine zweite, für 1975 projektierte Gartenschau am 10. Dezember 1968 mit einer Stimme Mehrheit ablehnte, sah er, der sich als obersten Gestalter, nicht aber als Verwalter sah, für sich keine Zukunft mehr. Herausgebracht hat den 320 Seiten starken Band in der Reihe Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte der Info-Verlag zum Preis von 19,80 Euro. -cal-

 
 

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