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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. April 2014

Zweite Karlsruher Wochen gegen Rassismus: Plattform der Begegnungen

AUS 14 LÄNDERN kommen Schülerinnen und Schüler des Lessinggymnasiums. Sie führten   beim Abschlussfest Instrumental-, Gesang- und Sprechstücke "für eine bunte Gesellschaft" auf.  Foto: Müller-Gmelin

AUS 14 LÄNDERN kommen Schülerinnen und Schüler des Lessinggymnasiums. Sie führten beim Abschlussfest Instrumental-, Gesang- und Sprechstücke "für eine bunte Gesellschaft" auf. Foto: Müller-Gmelin

 

Engagement von über 100 Gruppen / Veranstaltungen stießen auf lebhaftes Interesse

Sie waren zwei Wochen lang stadtweit mit rund 120 Veranstaltungen eine Plattform für Begegnungen und für den Austausch unterschiedlicher Sichtweisen: die zweiten Karlsruher Wochen gegen Rassismus. Mit einem bunten Abschlussfest gingen sie am Sonntag, 30. März, im Tollhaus zu Ende.

Projektleiter Christoph Rapp vom städtischen Kulturbüro freute sich, dass es noch besser als im Vorjahr gelungen sei, mit 100 Mitveran­staltern Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Aus­gren­­­zung  oder  gruppenbezoge­ne Menschenfeind­lichkeit  in die „Stadt­­­gesellschaft zu transportie­ren“. Karlsruhe sei  „als Stadt des Rechts verpflichtet,  besonderes Augenmerk auf gelebte Demo­kratie, Toleranz und Offenheit zu legen“, betonte Kulturbüroleiterin Elke Sieber. Als schönes Zeichen werteten beide den Lichterlauf gegen Rassismus und Diskriminie­rung. Über 100 Menschen waren am vergangenen Samstag dem Aufruf des deutschsprachigen Muslim­kreises gefolgt und hatten sich von  verschiedenen Startpunkten aus am Platz der Grundrechte getroffen, um an Opfer und Leid­tragende mit Lichtbot­schaften zu erinnern. Veran­stalter hätten ein Drittel mehr Termine angeboten, würdigte Rapp deren Engagement. Sieber führt die große Akzeptanz der Wochen auch auf vielfältige Formate wie Theater, Performances, Konzerte oder Mitmachangebote zurück, die neben Vorträgen individuelle Zugänge ermöglichten 

Wichtig war Rapp, Themen gesetzt zu haben, die vorher in Karlsruhe wenig bewusst waren. Als drei Schwerpunkte nannte er die Probleme Afrodeutscher, die von  Flüchtlingen und den Alltagsrassis­mus. Letzterer, so Sieber, sei vielen oft nicht bewusst. Ziel müsse es sein, Alltagsvorurteile etwa hinsichtlich der  Hautfarbe oder der Sprache aufzulösen. Etwa, dass Vermieter nicht Bewerber mit ausländischen Namen von vorneherein aussortierten. Men­schen, die unter Rassismus im Alltag leiden, können ihre Erfahrungen auf der Internetseite der Aktion Schau hin (www.schau-hin-karlsruhe.de), mit der es auch einen Workshop im Staatstheater gab, öffentlich machen.   Welche Konsequenzen menschenverach­tender  Rassismus für den Einzelnen haben kann, wurde in den Lesungen von Theodor Michael und von Ibraimo Alberto deutlich. Auf historische Linien wie den Kolonialismus, den Nationalsozia­lismus bis hin zum transnationalen Nationalismus von heute hatte  die Journalistin Hadija Haruna bei der Eröffnung hingewiesen. Die beste Art, so Rapp, gegen Vorurteile vorzu­gehen, ist „Begegnungen von Menschen auf Augenhöhe herbei zu führen“. Dazu beigetragen haben neben dem Abschlussfest sicherlich auch Abende wie der in Forcheim. In der Außenstelle der Landeserstauf­nahme schil­derten beispielsweise Flüchtlinge aus Afrika, unter welch dramatischen Umständen sie fliehen und sich nach Karlsruhe durchschlagen mussten. Korrupte Regierungen, machten ihnen das Leben in ihrer Heimat unmöglich. Hoffnung auf Freiheit lasse sie hohe Risiken bis hin zum Tod auf sich nehmen Alle drückten ihre große Dankbarkeit aus, dass sich hier - manchmal erstmals in ihrem Leben - Menschen um sie küm­mern, ihnen zuhören, helfen.

Und die tägliche Arbeit unzähliger Engagierter geht laufend weiter. Öffentlichkeitswirksam sind Ende September der  Tag des Flüchtlings oder am 10. Dezember der Tag der Menschenrechte. Die dritten Karlsruher Wochen gegen Rassismus werden am  16. März 2015 eröffnet, gefolgt von der Hauptkonferenz der  Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus im Oktober. -cal-

 
 

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