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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. April 2014

Kultur: Comeback der realistischen Malerei

 

Ausstellung „Kritische Beobachter“ mit Rückblick auf eine spannende Kunstepoche

Den Karlsruher Realisten der 70er Jahre widmet die Städtische Galerie bis 6. Juli eine Sonderausstellung mit dem Titel „Kritische Beobachter“.

Vor mehr als 40 Jahren hatten sich in der Bundesrepublik neue Ausdrucksformen realistischer Malerei und Zeichnung entwickelt, die sich an der neuen Sachlichkeit der 20er Jahre orientierten aber auch Impulse der Pop Art und Neuen Figuration in Deutschland aufgriffen.

APO, RAF, Kalter Krieg und Ölkrise ließen Politik und gesellschaftliche Veränderungen zu Motivlieferanten in Ateliers werden. Neben Berlin, Hamburg und Braunschweig war Karlsruhe eines der Zentren des neuen Realismus. Die Gedankenwelt und politische Sichtweise von Lehrern an der Karlsruher Kunstakademie wie Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger oder Walter Becker prägte eine ganze Schülergeneration.

Wenn sich Künstler wie Helmut Goettl, Ulrich Sekinger und Reinhard Dassler zur Gruppe der „Unzeitgemäßen“ zusammenschlossen, dann beschreibt diese Zuordnung neben politischer Positionsbeschreibung auch die Beschäftigung mit alten Mal- und Drucktechniken. Ein Sammelbecken für die Resultate jener Zeit wurde die Städtische Galerie, die jetzt eindrucksvolle Arbeiten aus ihrem Sammelbestand in einer Ausstellung mit 170 Werken von über 40 Künstlern zeigt.

Anklagende, „kritische“ Ansichten zur Karlsruher Stadtentwicklung sind zum Beispiel von Benno Huth und Gerold Bursian zu sehen. Der „Architektur in der Kritik“ ist in der Schau ein eigener Schwerpunkt gewidmet. Bei Helmut Goettl ist die Weltsicht und Wertschätzung seines Lehrers Hubbuch sichtbar, wenn er Menschen ins Zentrum rückt oder mit gesellschaftskritischem Blick den Karlsruher Alltag notiert, ohne Platz für Interpretationen zu lassen. „Politisch sein“ bedeutete für den verstorbenen großen Karlsruher Altmeister des Realismus „dass man sich einer Klasse zugehörig fühlt, die man zeichnet“. -Lä-

 
 

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