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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Mai 2014

Geschichte: Schlichter und eleganter Stil

DAS HOFTHEATER - im Jahre 1944 zerstört - dokumentierte Heinrich Hübschs funktionales Architekturverständnis. Foto. Stadtarchiv

DAS HOFTHEATER - im Jahre 1944 zerstört - dokumentierte Heinrich Hübschs funktionales Architekturverständnis. Foto. Stadtarchiv

 

Neues Buch des Stadtarchivs porträtiert den Baudirektor Heinrich Hübsch

Dem Schöpfer von Kunsthalle und Botanischem Garten, Regierungspräsidium oder St. Cyriakus, Heinrich Hübsch, gilt der jüngst in der Reihe „Karlsruher Köpfe" des Stadtarchivs erschienene dritte Band. Auf 72 reich bebilderten Seiten skizziert Bauhistorikerin Dr. Katja Förster Werk, Architekturtheorie und Leben des bedeutendsten Schülers und eigenständigen Nachfolgers Friedrich Weinbrenners.

Seiner Zeit weit voraus war der 1795 in Weinheim geborene und 1863 in Karlsruhe gestorbene badische Baudirektor Heinrich Hübsch (seit  1842) und Leiter der Baufachschule des Polytechnikums (seit 1832) mit seiner bereits auf das Bauhaus verweisenden Theorie.  Jeder Baukörper sei aus seinem Zweck und  Nutzen, aus seiner Funktion heraus, zu entwickeln. Gegenüber glatt verputzten und einfarbigen Fassaden von Barock und Klassik legte Hübsch Wert auf Materialsichtigkeit. Bei einem seiner ersten Werke, dem Karlstor, zeigte er als absolutes Novum die Steine der Fassadenverkleidung - Hausteine für konstruktive Elemente wie Sockel, Arkaden oder Fenstereinfassungen, Backsteine (später auch verschiedenfarbig)  für die Füllung von Wandflächen.

Blieb dies lange Zeit das wesentliche, dekorative Element seines zunächst monumentalen und einfachen Stils, fand er seit 1836 in dem zehnjährigen Planungs- und Bauprozess für die heutige Kunsthalle  zu einem von Frührenaissance und mittelalterlicher Kirchenarchitektur  inspirierten dekorativen und verspielteren Stil. Hier verbinden sich wie in der zeitgleich entstandenen Baden-Badener Trink­halle Architektur, Malerei und Skulptur zu einem Gesamtkunstwerk. Seine wichtigsten profanen Solitärbauten, darunter auch das heutige KIT-Eingangsgebäude und das im Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem Schloss zerstörte Hoftheater baute Hübsch in Karlsruhe.

Im ganzen  Land hinterlassen hat er zudem Kirchen, deren Bau er als wichtigste Aufgabe ansah. Wegweisend und noch immer kontrovers diskutiert ist seine freie Rekonstruktion der im Jahre 1689 zerstörten Portalseite des Speyrer Kaiserdoms. An Heinrich Hübsch erinnern am westlichen Rand des Botanischen Gartens ein Denkmal und eine  Straße.

Das im Karlsruher Info-Verlag verlegte  Buch kostet 12, 80 Euro. -cal-

 
 

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