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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Mai 2014

Kultur: Die vielen Fratzen des Krieges

MUSEUMSRUNDGANG mit Kulturamtschefin und Kulturtage-Organisatorin Asche (rechts) und Galerieleiterin Baumstark. Volker Böhingers Bild zeigt den „Henker“ als gefühlloses Maschinenwesen. Foto: Fränkle

MUSEUMSRUNDGANG mit Kulturamtschefin und Kulturtage-Organisatorin Asche (rechts) und Galerieleiterin Baumstark. Volker Böhingers Bild zeigt den „Henker“ als gefühlloses Maschinenwesen. Foto: Fränkle

KARL HOFER gibt in dem Gemälde „Die Frierende“ Not und Verzweiflung ein Gesicht. Foto: Fränkle

KARL HOFER gibt in dem Gemälde „Die Frierende“ Not und Verzweiflung ein Gesicht. Foto: Fränkle

 

Schau zu den Kulturtagen in der Städtishen Galerie

Welche Bilder, Grafiken und Zeichnungen lassen sich dem Motiv „Krieg, Gewalt, Verletzlichkeit“ zuordnen? Dr. Brigitte Baumstark, Leiterin der Städtischen Galerie, hat im Archiv gestöbert, Schubladen geöffnet und Arbeiten von 27 Malern zu einer Themenschau für die Europäischen Kulturtage (EKT) zusammen getragen.

Furcht, Grausen, die Hoffnungslosigkeit und Fratzen des Krieges wie auch ganz persönliche Befindlichkeiten begegnen dem Betrachter in der Werkauswahl auf zwei Etagen. Weil in der Städtischen Galerie bereits hängende Exponate das Archivmaterial ergänzen, finden Besucher sämtliche Werke zum EKT-Thema „2014 - 1914 / Frieden + Krieg“ mit der Zuordnung „Krieg Gewalt Verletzlichkeit“. Kulturamtschefin Dr. Susanne Asche sprach von „einzelnen hochsensiblen Stimmen“, die in der Schau das Ausgeliefertsein des Menschen im Krieg beschreiben.

 In expressiver Formensprache äußert der nach Amerika emigrierte russische Jude Shmuel Shapiro Gedanken zur Verletzbarkeit des Individuums. Während daneben Wilhelm Schnarrenberger in Arbeiten wie „Der erste Sieg“, „Ein Spion wird eingebracht“ oder „Sturm auf eine Stadt“ Betroffenheit und Unruhe erkennen lässt, ist die Themenzuordnung einer Auswahl von Gustav Kampmann eher eine Frage von Interpretation. Sicher hat auch der Maler unter dem Druck seiner Zeit gelitten. Die Selbstmordursache des Kriegsfreiwilligen der Karlsruher Reserve im Jahr 1917 dürfte aber weniger der Krieg, eher eine Reaktion auf fehlende Anerkennung sowie die Folge einer Erkrankung sein, die ihm das Malen zur Qual werden ließ.

Mit brutaler Offenheit attackiert Georg Scholz 1921 in der Lithografie „Apotheose des Kriegsvereins“ selbstherrliche Militaristen und zeichnet sie in einer bissigen Satire als feiste hochdekorierte Gestalten. Frieden und Krieg in abstrakter Formensprache und eindringlicher Formulierung des Leiden erkennt der Besucher in Karl Hofers „Die Frierende“ oder Max Ackermanns „Prothese“. Anders als bei Dix fehlt in dem Ackermann-Werk das ironisierende Moment. Wie durch ein Weitwinkelobjektiv betrachtet, sitzt der Kriegsversehrte mit einer übergroßen Prothese im Vordergrund zurückgelehnt am Tisch.

Die Sammlung des städtischen Museums umfasst Beispiele vom 16. bis 21. Jahrhundert, die für eine abstrakte oder unmittelbare Illustration des EKT-Themenfeldes taugen. Für individuelle Rundgänge durch die Sonderausstellung hat die Städtische Galerie eine Informationsbroschüre erstellt, die ab der kommenden Woche ausliegt. Die nächste Führung findet am 18. Mai um 16.30 Uhr statt. -Lä-

 
 

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