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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. Mai 2014

Armut: Soziale Signale setzen

Wohlfahrtsverbände und Stadt kooperieren eng

Die Bekämpfung von Armut hat in Karlsruhe eine lange Tradition. Bereits 1993 veröffentlichte die Stadt auf Initiative der Liga der freien Wohlfahrtspflege den ersten Armutsbericht - eine Pionierleistung. Seit 2007 finden zwischen den Akteuren regelmäßige Abstimmungsrunden statt.

Bei den Treffen geht es um Kinder- und Altersarmut, um Sockelarbeitslosigkeit oder Wohnungsnot. Und man plant gemeinsam Maßnahmen wie etwa die Erweiterung des Karlsruher Passes oder die Leitlinien gegen Kinderarmut, die der Gemeinderat 2010 einstimmig verabschiedete. Aus Anlass des 20. Gesprächs zur Armutsbekämpfung zogen Bürgermeister Martin Lenz und Liga-Vorsitzende Ulrike Sinner am Montag im Rathaus Bilanz.

In Karlsruhe leben 22 000 Menschen von Hartz IV oder sonstigen Sozialleistungen, darunter 5 000 Kinder und 3 000 Senioren. „Armut braucht eine Lobby“, das gelte heute wie damals, unterstrich Lenz. Dabei werde niemand aufgegeben. „Ernüchtert“ war trotz allem Ulrike Sinner. Die Themen ähnelten sich und mit Flüchtlingen, Arbeitsmigranten oder Menschen im Niedriglohnsektor kämen aktuell neue Risikogruppen hinzu. Aber es sei auch einiges erreicht worden, so Sinner. Der Armutsbegriff sei mittlerweile ein anderer und in seiner Bedeutung weiter gefasst. Damit assoziiert werde nicht mehr nur „wenig Geld haben“, sondern auch Ungleichheit und Ausgrenzung. Außerdem überzeugten Ziele und Umsetzungsvorschläge der Arbeitsgemeinschaft den Gemeinderat. „Wir wollen etwas nach vorne bringen für die Menschen in dieser Stadt“, betonte Sinner.

Auch Martin Lenz sieht Armut „ganz oben auf der sozialpolitischen Agenda“. So stünden im Haushalt 2013 rund zwei Millionen Euro als freiwillige Leistung für Kinderpass und Karlsruher Pass zur Verfügung. Die Zahl der Menschen ohne Bleibe steigt, nach Jahren der Stagnation nun auch wieder in Karlsruhe. Wohnungslosigkeit „zerstört Persönlichkeit und letzte Ressourcen“, waren Jörg Mauter vom Verein Sozpädal „soziale Signale“ der Politik wie das kürzlich beschlossene Wohnbauförderprogramm wichtig.

Aber auch die Unterstützung der Stadtgesellschaft ist unverzichtbar. Alle sollten „gemeinsam daran arbeiten, dass es allen besser geht“, unterstrich AWO Geschäftsführer Gustav Holzwarth. Dabei sei Arbeit der Schlüssel. Auch dazu ist der Runde einiges eingefallen. So gibt es beim Jobcenter der Stadt pro Team eine spezielle Fachkraft für alleinerziehende Mütter und Väter. Es sei nicht zu verhindern, dass immer wieder Probleme entstünden, „aber es wäre schändlich, nur zuzusehen“, betonte der Leiter des städtischen Sozialamts Alfred Dietz. -maf-

 
 

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