Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Mai 2014

Geschichte: Einladung zum Stadtgeburtstag

EINEN KARLSRUHE-BILDBAND überreichte OB Mentrup Marion Deichmann als Gastgeschenk.

EINEN KARLSRUHE-BILDBAND überreichte OB Mentrup Marion Deichmann als Gastgeschenk.

 

Nicht gläubige Jüdin Dr. Marion Deichmann überlebte versteckt in der Normandie

Dr. Marion Deichmann solle doch im kommenden Jahr zur Eröffnung des Stadtjubiläums-Festes wieder nach Karlsruhe kommen. Bei der Gelegenheit könne sie etwa Paul Niedermann und die Familien Ettlinger und Hirsch kennen lernen und verstünde sich bestimmt sehr gut mit ihnen. Diese Einladung sprach Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup am Dienstag aus, als er Dr. Marion Deichmann im Rathaus empfing.

Die pensionierte Psycholinguistin und Psychotherapeutin entstammt einer nicht gläubigen jüdischen Familie aus Karlsruhe. Die mütterliche Familie Aron hat hier einen Textilgroßhandel geführt. Vater Kurt Deichmann hat in dieser Firma gearbeitet. Marion Deichmann und ihre Mutter Alice lebten seit 1938 in Paris, wo die Mutter 1942 verhaftet und über das Transitlager Drancy nach Auschwitz verschleppt und vergast wurde. Das zehnjährige Mädchen überlebte, weil es von einer Familie in der Normandie versteckt wurde. 1944 kehrte es zu noch lebenden Verwandten nach Paris zurück und wanderte 1947 in die USA aus. 1953 heiratete Marion Deichmann in Amerika einen Franzosen und lebte mit ihrer Familie in den USA bis zur erneuten Rückkehr nach Frankreich, wo sie in Lyon und in Genf für die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitete.

Ihre Geschichte schrieb sie nach der Pensionierung für ihre Enkel auf und veröffentlichte sie vor zwei Jahren in einem in Französisch gehaltenen Buch, dessen Cover ein Porträt ihrer Mutter aus der Hand des Malers August Rumm ziert, eines späten Vertreters der Grötzinger Malerkolonie. Da ihre deutschen Wurzeln nach Karlsruhe reichen, hat sich Dr. Marion Deichmann an das Stadtarchiv gewandt, um eine deutsche Übersetzung ihrer Autobiografie zu veröffentlichen. Wahrscheinlich 2015 erscheint diese in einer Schriftenreihe des Stadtarchivs. -erg-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe