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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. Juni 2014

Stadtumbau: Meilenstein für die Kombilösung

GIGANT IN ROT-GELB-ROT: Vor dem Schneidrad freuen sich Frank Nenninger und Uwe Konrath (KASIG) mit OB Dr. Frank Mentrup, Gerlinde Hämmerle und Heinz Fenrich (v. l.) über die Fertigstellung. Foto: Winkel

GIGANT IN ROT-GELB-ROT: Vor dem Schneidrad freuen sich Frank Nenninger und Uwe Konrath (KASIG) mit OB Dr. Frank Mentrup, Gerlinde Hämmerle und Heinz Fenrich (v. l.) über die Fertigstellung. Foto: Winkel

 

Technische Abnahme der Tunnelvortriebsmaschine / Gerlinde Hämmerle wird Patin für den Bau des Stadtbahntunnels in der Kaiserstraße

Die Technische Abnahme der Tunnelvortriebsmaschine „S 869“, die ab Herbst den zwei Kilometer langen Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße bauen soll, ist in der vergangenen Woche erfolgt. Bei der Abnahme auf dem Werksgelände im badischen Schwanau übergab Hersteller Herrenknecht den Tunnelbohrer an die Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel (Arge).

Mit der Fertigstellung der Vortriebsmaschine sei „ein besonderer Meilenstein auf dem Weg zur Kombilösung erreicht“, betonte OB Dr. Frank Mentrup, bevor er symbolisch das Schneidrad des riesigen Maulwurfs in Gang setzte. Mentrup war dazu zusammen mit Vertretern der Bauherrin der Kombilösung Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (KASIG), der Auftragnehmer für den Stadbahntunnel Arge und BEMO Tunneling und Journalisten in die Ortenau gekommen.

Zur Delegation im Stammwerk des weltweit agierenden Spezialmaschinenherstellers gehörten aber auch zwei Ehrenbürger: Mentrups Amtsvorgänger Heinz Fenrich, dem der OB „für die große Kraftanstrengung beim Zustandekommen der Kombilösung“ dankte. Und Gerlinde Hämmerle, die sich in ihren Jahren als Regierungspräsidentin (1994 bis 2005) als Förderin des Nahverkehrs hervor getan hatte.

Vertritt Heilige Barbara

Im nächsten Schritt zur Kombilösung spielt Gerlinde Hämmerle eine besondere Rolle. Sie wird  Patin für den Bau des Tunnels unter der Kaiserstraße und übernimmt damit für Tunnelbau und beteiligte Arbeiter die „Schirmherrschaft“. Sie ist Stellvertreterin der Heiligen Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, die den Mineuren - in Karlsruhe ist das die Mannschaft, die die Tunnelvortriebsmaschine fährt - Glück bringt.

Aufgabe der Tunnelpatin ist, den Tunnel in der Bauzeit zu besuchen, vor allem am „Barbara-Tag“ 4. Dezember. Wenn die Vortriebsmaschine, die sich ab Oktober vom Durlacher Tor aus durch den Untergrund frisst, nach neun Monaten Bauzeit am Mühlburger Tor auftaucht, ist die Patronage zu Ende. Die Funktion der Tunnelpatin ist nicht mit der Namensgebung verbunden.  Dazu Mentrup: „Wie der Tunnel unter der Kaiserstraße am Ende heißt, ist noch völlig offen.“

Mit 80 LKW-Fahrten nach Karlsruhe

Fest steht dagegen, dass Fachleute die Tunnelvortriebsmaschine mit dem in rot-gelb-roten Karlsruher Farben leuchtenden Schneidrad jetzt wieder in Schwanau in Einzelteile zerlegen. Danach folgt der Transport der „S 869“ mit 80 LKW-Ladungen nach Karlsruhe. Am Durlacher Tor werden die „Puzzleteile“ wieder zum stählernen Giganten zusammen gebaut. Der frisst sich dann von diesem Startpunkt aus mit acht Metern Geschwindigkeit pro Tag unter der Kaiserstraße hindurch und baut die Röhre für den Tunnel gleich selbst mit.

Die Karlsruher Tunnelvortriebsmaschine „S 869“ steht in einer Reihe mit den riesigen Bohrern, die Herrenknecht nach Berlin, Hongkong oder Istanbul lieferte. Sie hat mit Schneidrad, Schild, Brücke und Nachläufer eine Gesamtlänge von 80 Metern und ein Gewicht von 1.300 Tonnen. Das Schneidrad ist mit seinem Durchmesser von 9,32 Metern eigens auf den Tunnel unter der Kaiserstraße abgestimmt, durch dessen Röhre zwei Bahnen im Begegnungsverkehr fahren werden. 27 Schneidrollen, 16 Räumer und 172 Schälmesser sorgen dafür, dass Kies und Sand Meter um Meter abgetragen werden.

Mit 1.210 Kilowatt Leistung aus elf Elektromotoren schiebt sich die die „S 869“ über 18 Vortriebszylinder unter der Fußgängerzone bei laufendem Betrieb der Bahnen 2.050 Meter nach Westen - mitten durch die bis dahin fertigen Rohbauhaltestellen und das Gleisdreieck am Marktplatz. Die Tunnelvortriebsmaschine bewegt sich mit ihrem Scheitel mindestens 4,50 Meter, höchstens 9,50 Meter unter dem Pflaster - damit auch immer unter dem Grundwasserspiegel, der in einer Tiefe von etwa drei Metern ansteht.

Hinter dem Schneidrad und dem Schild, eine Art Stahlröhre, in deren Schutz die Tunnelauskleidung eingebaut wird, folgt der Erektor: In diesem Bereich setzt die „S 869“ immer sechs Tübbinge aus Stahlbeton mit einem Einzelgewicht von bis zu sechs Tonnen zu einem Ring zusammen. Die aneinander gereihten Ringe ergeben schließlich die Tunnelröhre mit einem Innendurchmesser von 8,20 Metern. -trö-

 
 

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