Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Juli 2014

Kultur: Alles sei mit allem verwoben

Große Plastiken aus dem Atelier in der Hoffstraße. Foto. BLM

Große Plastiken aus dem Atelier in der Hoffstraße. Foto. BLM

DAS PARADIES, die Villen- und Wasserkunstanlage in Baden-Baden zählt zu den wichtigsten Schöpfungen Laeugers als Gartenbauarchitekt. Am Herzen lag im die Gestaltung der menschlichen Umwelt in Beziehung zur Natur. Foto:BLM

DAS PARADIES, die Villen- und Wasserkunstanlage in Baden-Baden zählt zu den wichtigsten Schöpfungen Laeugers als Gartenbauarchitekt. Am Herzen lag im die Gestaltung der menschlichen Umwelt in Beziehung zur Natur. Foto:BLM

 

Retrospektive zum 150. Geburtstag des Universalkünstlers Max Laeuger im Schloss

Er war der bedeutendste deutsche Kunstkeramiker des 20. Jahrhunderts. Und weit mehr. Zu seinem 150. Geburtstag richtet das Badische Landesmuseum (BLM) dem Zeichner, Maler, Keramiker, Textilkünstler, Glasmaler, Möbeldesigner, (Garten-) Architekten und Karlsruher Universitätslehrer Max Laeuger nun die bisher umfassendste Werkschau aus.

Rund 350 Originale des Universalkünstlers sind unter dem Titel „Gesamt Kunst Werk“ bis 5. Oktober im Schloss versammelt. Anschließend wandert die empfehlenswerte, chronologisch aufge­bau­­te Ausstellung  in Laeugers Geburtsstadt Lörrach, in der er auch 1952 gestorben ist.

Mit Zeichnungen, Grafik und Malerei  fand Laeuger zur Kunst. Noch als Schüler zeichnete er 1879 einen auf das Wesentliche konzentrierten, filigranen Frauenkopf, wohl nach dem Vorbild eines älteren Meisters. Vor dem Modell entstand um 1893 in der auf Aktmalerei spezialisierten Pariser Académie Julian eine nackte Frau. Ein Thema, das  ihn sein Leben lang begleiten sollte. Etwa im 1929 geschaffenen, einzigartigen Triptychon für das Orgelzimmer eines Schweizer Landhauses. Visionär setzte Laeuger als erster 1894 Emotion und Sinnlichkeit auf dem auch als Ausstellungsmotiv gewählten Jugend­stil­pla­kat einer Kammgarnspin­ne­rei ein.

Statt der beworbenen Produkte erscheinen eine schöne, rotgewandete Schäferin und ihre Tiere.  Mit  Aquarell- und Kreidestudien - Landschaften, Bäume und Blumen – führt Kurator Dr. Arthur Mehlstäubler die Natur als zweite Inspirationsquelle Laeugers in die Schau ein. In ihr sah der Künstler "alles mit allem verwoben". Zunächst in den Farben  des Himmels, der Pflanzen und Erde sowie der Jahreszeiten kommt sie im Spätwerk bei nachlassendem Augenlicht oft in dunklen Tönen daher. „Sein Werk ist Kunst, in der die Natur das Recht bekommen hat, als Künstlerin aufzutre­ten“, so der scheidende BLM-Direktor, Prof. Dr. Harald Sieben­morgen. Zu erleben ebenso bei der einzigartigen Jugendstilkeramik. Ihre Gefäße, Kacheln und Bilder wie das Reh im Wald (1901) aus dem Restaurant Moninger und die von Blüten, Zweigen, Früchten oder Tieren inspirierten Vasen entstanden bis 1914 in den Tonwerken Kandern.

„Fabrikware hat keine Seele“ sagte Laeuger und verlangte auch für Serienentwürfe stets neue  Farbvarian­ten. Im eigenen, 1944 kriegszerstörten  Atelier in der Hoffstraße tat er schließlich den Schritt zum Plastiker mit lebensgroßen Figuren, riesigen Boden­vasen und seinen geliebten Elefanten. Für deren Gestaltung sah er Ton als ideales Material an. Außerdem experimentier­te er mit orientalischen Dekoren und Farben wie leuchtendem Türkis.

Dem Jugendstil weit voraus war das Universalgenie mit seinen flächigen und funktionalen Eichenmöbeln wie er sie 1905 für den Schöpfer der Verfassung von 1919, Dr. Eduard Dietz entwarf. Möbelschmuck sind lediglich die Maserung des Holzes und wenige Intarsien. Sie zeigen etwa Raupe und Schmetterling als Symbole für die ständige Verwandlung der Natur. Architektonisch propagierte er eine umfassende Gestaltung der menschlichen Umwelt in Beziehung zur Natur. Neben Planungen für Ausstellungs-, Bahnhof- und Universitätsbauten, Villen, Brücken und Denkmälern avancierte er sich mit seinem „Sondergarten“ auf der Gartenbau­aus­stellung 1907 in Mannheim, der Gönner-Anlage und dem Paradies in Baden-Baden zum führenden Gartengestalter.

Als Vermächtnis Laeugers aus 40-jähriger Lehrtätigkeit an mehreren Hochschulen gelten seine Kunsthandbücher und  Lehrtafeln, mit denen er „einfache, der Kunst zugrunde liegende Empfindungsvorgänge“ wachru­fen wollte. Der 312-seitige reich bebilderte Katalog ist im Info Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro. Kuratorenführungen gibt es nahezu jeden Sonntag um 11 Uhr. -cal-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe