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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 18. Juli 2014

Kultur: Weißwattige Wolken im Himmelsblau

SOMMERLICH-LEICHTE IDYLLE: Gustav Kampmanns Gemälde „Blaue Luft“ von 1907 durchzieht wie seine andere Arbeiten ein Hauch von Melancholie. Die reduzierte Darstellung verzichtet auf Detailbeschreibungen. Foto: pr

SOMMERLICH-LEICHTE IDYLLE: Gustav Kampmanns Gemälde „Blaue Luft“ von 1907 durchzieht wie seine andere Arbeiten ein Hauch von Melancholie. Die reduzierte Darstellung verzichtet auf Detailbeschreibungen. Foto: pr

BLÜTENPRACHT: Die für die Gegend typischen Streuobstwiesen haben es Karl Biese angetan. Die Lithografie ist undatiert. Foto: pr

BLÜTENPRACHT: Die für die Gegend typischen Streuobstwiesen haben es Karl Biese angetan. Die Lithografie ist undatiert. Foto: pr

 

Schau mit 100 Werken der Grötzinger Malerkolonie

Bahnhöfe sind besondere Orte. Sie sind Ausgangspunkt für Reise und Aufbruch. Und so ist ein kein Zufall, dass Friedrich Kallmorgens „Der alte Bahnhof in Karlsruhe“ von 1902 das Entree zur Ausstellung über die Grötzinger Malerkolonie bildet.

Denn mit der Eisenbahn nur „...12 Minuten von Karlsruhe“ entfernt gelegen, fanden er und seine Mitstreiter in der nahen dörflichen Idylle Inspiration für ihre Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Künstlerkolonie zeigt die Städtische Galerie bis 5. Oktober 100 ausgewählte Werke von Mitgliedern wie Karl Biese, Eduard Euler, Jenny Fikentscher, Otto Fikentscher, Franz Hein, Margarethe Hormuth-Kallmorgen, Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann, Karl Langhein und Hans Richard von Volkmann.

Immer wieder habe ihr Haus die Grötzinger Maler monografisch oder in entsprechende Themen eingebunden präsentiert, betonte Galeriechefin Dr. Brigitte Baumstark. Und kündigte für 2016 in Zusammenarbeit mit dem Museum Altona eine große Kallmorgen-Retrospektive an, die den im hohen Norden geborenen Maler in allen seinen Facetten zeige.

Ausgebildet an der Großherzoglichen Badischen Kunstschule widmeten sich die Stadtflüchtlinge vorwiegend der Landschaftsmalerei, setzten sich mit Strömungen des Impressionismus und dem Spiel mit Licht und Stimmungen im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten auseinander. Sie waren Chronisten dörflichen Alltags, lenkten den Blick auf Natur, Tiere, Burgen und Ruinen, Wald und Feld. Melancholisch wie bei Gustav Kampmann, dessen Gemälde „Mondnacht“ von 1906 fahles Licht die Silhouette des Durlacher Turmbergs und die bizarr-kahl in den Himmel ragenden Bäume fast verwunschen wirken lässt. Oder leichfüßig daherkommend wie Karl Bieses Lithografie „Blütenpracht“ in den für die Gegend typischen Streuobstwiesen.

Blumenmotive waren Frauendomäne. Ihnen verschrieben sich Margarete Hormuth-Kallmorgen und Jenny Fikentscher,  beide in der 1885 eröffneten Karlsruher Malerinnenschule ausgebildet. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen mussten sie auf den Besuch der Hochschule verzichten, denn Frauen waren bis zur Gründung der Weimarer Republik 1919 nicht an Kunstakademien zugelassen.

Während Hormuth-Kallmorgen Pfingstrosen oder Feldblumen ins Atelier holt und sie zu üppigen Stillleben arrangiert, belässt Fikentscher Malven oder Feuerlilien in der Natur und bettet sie in die Landschaft ein. Am Ende des thematisch gegliederten Rundgangs ist es Sommer. Förmlich riechen und spüren kann man ihn etwa in Kallmorgens „Garbenfeld“. Oder in Gustav Kampmanns „Blaue Luft“. Ein Bild, das alle sommerlichen Attribute in sich vereint. Weißwattige Wolken, lichtes Himmelsblau, grüne Wiesen und Felder. „Vielleicht regt Sie die Ausstellung an, den Himmel genauer zu beobachten“ gibt Kunsthistorikerin Margit Fritz mit auf den Weg. Nicht nur das.

Öffnungszeiten sind mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende 11 bis 18 Uhr.  -maf-

 
 

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