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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. August 2014

Bürgermeister: "Soziale Stadt geprägt"

Norbert Vöhringer. Foto: Stadt Karlsruhe

Norbert Vöhringer. Foto: Stadt Karlsruhe

 

Norbert Vöhringer ist mit 79 Jahren gestorben

"Prävention statt Nachsorge. Starke und Schwache gemeinsam", diese Maximen trieb den leidenschaftlich für soziale Gerechtigkeit, Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit streitenden ehemaligen Sozial- und Sportbürgermeister Norbert Vöhringer ein Leben lang an. Im Alter von 79 Jahren starb er am 6. August.

Als "lebensbejahend, neugierig und abenteuerlustig, immer unter Strom und mit stets neuen Ideen nach dem Maximum strebend", charakterisiert ihn die Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO, Angela Geiger.  Bereits 1951/52 arbeitete er als AWO-Ferienhelfer und studierte später, motiviert von AWO-Neugründerin und Ehrenbürgerin Hanne Landgraf Sozialarbeit. Der AWO blieb er treu, seit 1963 als Geschäftführer, später als stellvertretender Kreisvorsitzender und Ehrenvorstandsmitglied.

Der SPD trat Norbert Vöhringer 1955 bei. 13 Jahre engagierte er sich als Vorsitzender des Ortsvereins Hagsfeld und in vielen weiteren Funktionen. Den Weg in die Kommunalpolitik fand er mit 20 Jahren als jüngstes Mitglied des Gemeinderats 1965. Der Stadtrat wurde 1972 zum Leiter der neu geschaffen Sozial- und Jugendbehörde gewählt.

Von 1983 bis 1999 Sozial- und Sportbürgermeister, "prägte er die soziale Stadt - er lebte sie", so Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei der bewegenden Trauerfeier auf dem Hagsfelder Friedhof. Mentrup nannte das Verständnis anderer Kulturen als  Lebensaufgabe Vöhringers. Davon zeuge seine Stiftung "Für ein friedliches Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft" sowie der Aufbau des "Internationalen Begegnungszentrums". Hier wirkte Vöringer nach seiner Pensionierung ebenso wie für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und den Verein Patenkinder Peru.

Für sein Lebenswerk erhielt er noch am 14. Mai den  Karlsruher Integrationspreis. Er folgte auf viele andere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz. Als Dezernent hatte er bereits früh für die Betreuung von Familien gesorgt, denen er in der Nordstadt bezahlbare Wohnungen verschaffte. Als Gründer  der Arbeitsförderungsbetriebe gab er  mit dem Prinzip Arbeit statt Sozialhilfe benachteiligten Menschen neue Perspektiven. "Als Menschenfreund mit viel Empathie, der stets grenzüberschreitend und vernetzt dachte" und daher auch auf Bundes- und Landesebene Fäden zog,  sieht ihn Geschäftführerin Ariane Neumann.

In wahrer Sisyphus-Arbeit setzte er die Abgabe künstlichen Heroins für Schwerst­abhängige gegen alle Widerstände durch. 2011 wurde das Modellprojekt  zum Regelfall. Jugend- und Seniorenpolitik, Spitzen- und Breitensport, um alles kümmerte er sich bis hin zum Forbestand des Reitinstituts Egon-von-Neindorff und der  Gründung des Freundeskreises Partnerschaft Karlsruhe-Halle. Er war "einer, der anpackte - bis zuletzt, um Grenzen zu überwinden und Ausgleich zu suchen" sieht  Mentrup als sein Vermächtnis an. -cal-

 
 

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