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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. August 2014

Kultur: Aufstand und Erinnerung

DREI ALTE FREUNDE: Jean-Jac¬ques Lebel, Jonas Mekas und Peter Weibel (v.l.) stellen die ZKM-Dop¬pelausstellung vor. Die Retrospektive Lebels und Mekas' Videoarbeiten sind bis 9. November zu sehen. Foto: Fränkle

DREI ALTE FREUNDE: Jean-Jac¬ques Lebel, Jonas Mekas und Peter Weibel (v.l.) stellen die ZKM-Dop¬pelausstellung vor. Die Retrospektive Lebels und Mekas' Videoarbeiten sind bis 9. November zu sehen. Foto: Fränkle

GESCHOSSHÜLSE, hergestellt 1917 in Karlsruhe, wurde Kerzenleuchter. Foto: Fränkle

GESCHOSSHÜLSE, hergestellt 1917 in Karlsruhe, wurde Kerzenleuchter. Foto: Fränkle

 

ZKM zeigt Jean-Jacques Lebel Retrospektive und 365 Day Project von Jonas Mekas

Fast fünfzig Jahre kennen sich Peter Weibel, Jean-Jacques Lebel und Jonas Mekas. Drei Künstler der Jahrgänge 1944, 1936 und 1922. Nun sitzen sie nebeneinander im ZKM, dessen Leiter Weibel seit 1999 ist, und stellen eine Doppelausstellung vor, die dort noch bis 9. November zu sehen ist.

Die umfangreiche Retrospektive Lebels mit Installationen, Skulpturen, Gemälden und Videos trägt den Titel "Die höchste Kunst ist der Aufstand". Denn der französische Künstler schockierte in den 60er Jahren als einer der ersten das Publikum mit politischen Happenings.

Ebenfalls bis 9. November im ZKM zu sehen ist Jonas Mekas' "365 Day Project", eine Videoarbeit des in Litauen geborenen Filmemachers und Lyrikers, die in Karlsruhe zum ersten Mal als große Installation auf 52 Monitoren zu sehen ist. Eigentlich hatte der 92-Jährige sie für das Internet konzipiert. In 365 kurzen Filmen reflektiert er sein Jahr 2007. Mekas, der während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter in ein deutsches Kriegsgefangenenlager kam und 1949 in die USA emigrierte, gilt als einer der einflussreichsten Protagonisten des Experimentalfilms seit den 60er Jahren.

"Früher schrieb man Tagebuch", erläutert Peter Weibel, "heute sind Medien die neuen Formen der Schrift." Zentrale Themen für Mekas sind Heimat und Erinnerung. Im ZKM zu sehen ist unter anderem das Video "Reminiszenzen aus Deutschland", in dem der Gründer der Zeitschrift "Film Culture" in sein Leben zwischen 1944 und 1949 einführt. Auch in Lebels Retrospektive ist Krieg mehrfach ein Thema, versteht er doch seine Arbeiten als Aufstand gegen Ungerechtigkeit und gegen den Terror des Krieges.

In Karlsruhe zu sehen sind unter anderem "Colonial Horror", Assemblagen über Rassismus und Kolonialismus, "Le Labyrinthe", eine Rauminstallation mit Fotos der Gefangenenmisshandlungen in Abu Ghraib, und eine Rauminstallation mit von Soldaten bearbeiteten Geschosshülsen und Objekten aus den Schü­tzengräben des Ersten Weltkriegs. Blank poliert aufgereiht stehen da Krüge, Aschenbecher, Kerzenleuchter und Musikinstrumente - einst Behältnisse Tod bringenden Pulvers. Ein Drittel der Geschosshülsen, erzählt Kurator Bernhard Serexhe, stammt aus Karlsruhe. Denn auf dem Gelände des ZKM stand bereits in den 1870er Jahren eine Munitionsfabrik. Die Umwandlung der "war factory" in eine "art factory" genauso wie die Umwandlung der Mordinstrumente in Friedensobjekte ist für Lebel - mit Blick auf seinen Freund Mekas - "eine Metapher unserer Arbeit." -res-

 
 

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