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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. September 2014

Gesundheit: Mit Tandems über Augenkrankheiten informieren

TANDEMS AUS SEHENDEN UND BLINDEN sind unterwegs nach Rotterdam, um Netzhauterkrankungen besser bekannt zu machen. Augenklinikchef Augustin (mit Anzug) empfing sie in Karlsruhe. Foto: Müller-Gmelin

TANDEMS AUS SEHENDEN UND BLINDEN sind unterwegs nach Rotterdam, um Netzhauterkrankungen besser bekannt zu machen. Augenklinikchef Augustin (mit Anzug) empfing sie in Karlsruhe. Foto: Müller-Gmelin

 

Tour von Basel nach Rotterdam / Sehende Piloten und blinde Copiloten / Augenklinikchef Augustin empfängt in Karlsruhe

Zwei dreifache Paralympics-Sieger sind derzeit mit Tandems von Basel nach Rotterdam unterwegs, mit Zwischenstation am Mittwoch in Karlsruhe. Beide, Willi Brem und Jan Mulders, können nicht sehen und sitzen deshalb hinten auf ihren Doppel-Fahrrädern, vorne fährt ein sehender Pilot.

Willi Brem aus Freiburg etwa, der 1998, 2002 und 2010 Gold im Biathlon bei den Sehbehinderten gewonnen hat, hat sein Augenlicht schon als Kind verloren. Nahezu emotionslos erzählt er, dass das „schon eine Umstellung“ gewesen sei. Der Niederländer Jan Mulder hat dreimal Gold als Radfahrer gewonnen. Diese beiden Teams gehören zu insgesamt 18 Mannschaften der „Euro-Tandem-Tour 2014“, der auch sportliche Menschen angehören, die nicht zu den Spitzensportlern zählen.

Horst Schwerger, der selbst an der Netzhauterkrankung „altersbedingte Makuladegeneration (AMD)“ leidet, hat diese Aktion 1998 ins Leben gerufen. Seine „HEM-Schwerger-Stiftung“ veranstaltet die Tour alle zwei Jahre, um auf die Problematik von Netzhauterkrankungen aufmerksam zu machen, zu denen auch die Krankheit „Retinitis Pigmentosa (RP)“ gehört, unter der manche Menschen von Geburt an leiden oder die sich schon im frühen Kindesalter entwickelt.

Der Leiter der Augenklinik im Städtischen Klinikum, Prof. Dr. Albert Augustin, hatte 1998 gerade an der Uni Mainz die Leitung einer Abteilung zur Erforschung der Netzhauterkrankungen übernommen, als er Schwerger kennen lernte, der mit seiner Tour dort Halt gemacht hatte. Umso erfreuter waren die beiden, sich in Karlsruhe wieder zu treffen, wo Augustin die 18 Teams und neun weitere „Ersatzpiloten“ im Namen der Stadt empfing.

Augustin zeigte sich hoch erfreut, dass seine Randdisziplin solche Sponsoren wie Schwergers Stiftung hat. So sei es möglich, auch in diesem Medizingebiet immer weiter zu forschen und neue Behandlungsmethoden zu finden. So sei etwa in Karlsruhe erstmals eine entsprechende Prothese in ein Auge eingesetzt worden. Demnächst erhalte die städtische Augenklinik ein neues Gerät zur bessern Bildgebung bei Augenoperationen.

Adelheid Traub aus Schwäbisch Hall hat von Geburt an RP. Die medizinische Bademeisterin - sie sagt, das sei „ein blindenspezifischer Beruf“ - hält sich im Fitnessstudio und auf dem Tandem fit. Ihre Pilotin Babette Schlageter fährt zum ersten Mal Tandem und hat viel Spaß dabei. Alle brauchen noch viel Kondition, bis sie nach neun Etappen am Mittwoch in Rotterdam ankommen werden. -erg-

 
 

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