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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. Oktober 2014

Stoffsammlung für Zoo der Zukunft: „Weniger ist oft mehr"

DIE BIPOLARITÄT im Zoologischen Stadtgarten stellt einen geschätzten Wert dar. Foto: Fränkle

DIE BIPOLARITÄT im Zoologischen Stadtgarten stellt einen geschätzten Wert dar. Foto: Fränkle

 

„Bipolarität" von Zoo und Stadtgarten geschätzter Wert

Der Zoologische Stadtgarten soll auch in Zukunft ein Anziehungspunkt in Karlsruhe sein. Um auf Kurs zu bleiben und die Weichenstellung für die Weiterentwicklung dieser 23 Hektar großen Freizeit- und Erholungsoase mitten in der Stadt vorzubereiten, tauschten sich Mitglieder des Gemeinderats, Fachleute der Verwaltung und externe Berater am vergangenen Dienstag, 14. Oktober, unter Vorsitz von Bürgermeister Michael Obert über Anforderungen an einen Zoo der Zukunft aus.

„Das 'Forum Zoo Karlsruhe' versteht sich als Stoffsammlung, um über die künftige Struktur unseres Zoos entscheiden zu können", gab Obert vor. Dabei sei die „Bipolarität" von Zoo und Stadtgarten „als Wert in der Bevölkerung geschätzt" und als Einheit „gesetzt".

Als Elemente für einen - auch wirtschaftlich - erfolgreichen Zoo nannten die  Zoodirektoren aus Hannover, Klaus-Michael Machens, und Münster, Jörg Adler, das „Wohlgefühl" der Besucher (Machens) und den „Respekt vor den Tieren" (Adler). „Wir müssen Erlebniswelten schaffen", zeigte sich Machens überzeugt, bei denen nach Adler „weniger mehr ist", auch weil die Besucher dem Thema Tierhaltung in Zoos zunehmend kritischer gegenüberstünden.

So lege das „Säugetiergutachten"  neue Rahmenbedingungen für die Haltung von Zootieren fest, die vor allem die Anforderungen an Flächen, Behausungen und Einrichtungen von Gehegen vergrößert hätten. Dieses Gutachten sei zwar nicht rechtsverbindlich, lege aber die Basis für die Betriebsgenehmigung neuer Anlagen oder den Um- und Ausbau bereits bestehender.

 Nach diesem Gutachten ist auch der Zoo Karlsruhe nicht mehr uneingeschränkt geeignet, Tierarten wie Elefanten, Schimpansen, Seelöwen, Giraffen oder Flusspferde zu halten, erläuterte Dr. Clemens Becker als kommissarischer Zoodirektor. Für Bürgermeister Obert hat aus diesem Grund das „Zookonzept aus dem Jahre 2007 auch keine langfristige Perspektive". Die Weiterentwicklung müsse „flexible Reaktionen" auf neue Anforderungen erlauben.

Als Beispiel nannte Becker die Umwidmung der bestehenden Elefantenanlage mit ihren begrenzten Flächen in eine Residenz für betagte Elefantenkühe aus anderen Zoos oder auch Zirkussen.

 Dass stimmige Konzepte, angepasst auf die örtlichen Gegebenheiten, attraktive Angebote ermöglichen, belegen die Besucherzahlen in Hannover (nach zehn Jahren Steigerung von 600.000 auf derzeit 1,6 Millionen pro Jahr, bei einem Eintrittspreis von 25 Euro pro Tageskarte) und Münster (Anstieg von 750.000 auf knapp eine Million). Der Karlsruher Zoo mit seinen neun Hektar Fläche kann dabei mit heute schon knapp 1,4 Millionen Besuchern im Jahr gut mithalten.

 Derzeit bereitet sich der Zoo auf sein 150-Jahr-Jubiläum 2015 vor. Das Exotenhaus wird bis dahin seine Anziehungskraft entfaltet haben, Bollerwagen und Picknickeinheiten werden jetzt schon von Familien gerne genutzt, ein Maskottchen soll dem Zoo dann als sympathischer Botschafter zur Seite stehen, und Kinder sollen sich in „Zooforscher" verwandeln können.

„Wir werden auch auf Vorschläge und Anregungen eingehen, die uns über die lokale Tageszeitung oder direkt im Zoo erreichen", verspricht Obert, macht allerdings darauf aufmerksam, dass diese sich zum Teil gegenseitig ausschließen. Eines nimmt er aus dem Forum auch mit: „Die Ausschreibung für die Person an der Spitze des Zoos soll bald auf den Weg gebracht werden". -bw-

 
 

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