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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Oktober 2014

Kultur: Kugelblitz mit Zornespfeilen

AUSGEZEICHNET wurden Angelika Klüssendorf (links) und Dorothee Elmiger von Hansgeorg Schmidt-Bergmann. Foto: Bastian

AUSGEZEICHNET wurden Angelika Klüssendorf (links) und Dorothee Elmiger von Hansgeorg Schmidt-Bergmann. Foto: Bastian

 

„Mit dem Karlsruher Hesse-Preis bin ich einverstanden“ lautete das nüchterne Urteil des berühmten Namensgebers, als sich die „Fördergemeinschaft deutsche Kunst“ 1956 dessen Zustimmung einholte.

Hätte Hermann Hesse gewusst, dass Berühmtheiten wie Martin Walser, Adolf Muschg oder Hans-Ulrich Treichel seither in seinem Geiste ausgezeichnet wurden, er wäre wohl euphorischer gewesen. Der mit 15.000 Euro dotierte Literaturpreis ging in diesem Jahr an Angelika Klüssendorf für ihren Roman „April“.

Der Förderpreis (5.000 Euro) wurde der 1985 im schweizerischen Wetzikon geborenen Dorothee Elmiger für „Schlafgänger“ zugesprochen. OB Dr. Frank Mentrup und der Vorsitzende der Hesse-Literaturpreis-Stiftung, Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, verliehen die Preise kürzlich bei einer Feier im Bürgersaal des Rathauses.

Klüssendorf lesen sei kein Zuckerschlecken, konstatierte Laudator Dr. Stefan Kister, Literaturredakteur der Stuttgarter Zeitung. Ihr Stoff sei bitter, „für das Wohlfühlen sind andere da“, habe sie einmal gesagt. In Klüssendorfs aktuellen Roman wie auch im Vorgängerbuch "Das Mädchen" erzählt die Schriftstellerin vom problematischen Weg der Selbstfindung.

In der Fortsetzung hat die mittlerweile erwachsene Protagonistin einen Namen. Sie nennt sich „April“ nach einem Song von Deep Purple, bekommt eine Stelle als Bürohilfskraft zugewiesen und „rollt durchs Leben wie ein mit Zornespfeilen geladener Kugelblitz“.

Die Jury würdigte die „subtile Darstellungskunst“ der 1958 bei Hamburg geborenen und in der ehemaligen DDR aufgewachsenen Autorin, die Geschichte „auf dem schmalen Grat zwischen den politischen deutsch-deutschen Umbrüchen und einer schwierigen Sozialprognose auszubalancieren“.

Klüssendorf führe ihre Figur durch trostloses Gelände und realisiere gleichwohl eine bewegende Bildungsgeschichte. Auch Dorothee Elmiger überzeugte. In ihrem Buch „Schlafgänger“ über Heimat und Migration gelinge es der Autorin, „ihre so kühne wie kunstvolle Prosa in einen irritierenden Schwebezustand zwischen Wachen und Traum zu versetzen“.  -maf-

 
 

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