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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 24. Oktober 2014

Soziales: Zuhause verzweifelt gesucht

AUF DEM "ROTEN SOFA" diskutierte Moderator Harald Schwiers (r.) mit Bürgermeister Martin Lenz über Wohnungsnot. Foto: Fränkle

AUF DEM "ROTEN SOFA" diskutierte Moderator Harald Schwiers (r.) mit Bürgermeister Martin Lenz über Wohnungsnot. Foto: Fränkle

 

Mit Bretterverschlag, Sofa und Überlebenschance gegen Wohnungsnot

Hochbetten sind auch in Kasernen und Jugendherbergen üblich, viele Kinder wünschen sie sich. Die Schlafstätte in der Kriegsstraße 88 löst dagegen Beklemmungen aus, obwohl alles ruhig und sauber ist.

"Man geht halt hier hin, um nicht draußen zu sterben", erklärte Klaus Schneider, der viele Jahre auf der Straße gelebt und manches Mal einen der Erfrierungsschutz genannten Räume in Anspruch genommen, dort aber wegen aggressiver Mitbewohner angstvolle Nächte zugebracht hat.

Inzwischen wohnt er - dankbar für die Hilfen - dauerhaft in einer städtischen Unterkunft. Mitarbeiter des Diakonischen Werks haben nun am Tage Einblick in die umfangreichen Angebote für die augenscheinlich Bedürftigsten gewährt. Übergeordnet beleuchtete die Liga der freien Wohlfahrtspflege rund um St. Stephan unter dem Titel "Wohnst Du noch?" die missliche Lage all jener, denen das Grundrecht auf bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum vorenthalten bleibe.

Bürgermeister Martin Lenz nahm als erster von vielen Fachkundigen neben Moderator Harald Schwiers auf dem "Roten Sofa" vor der katholischen Stadtkirche Platz und besprach Auswege. Mit 400 Wohnungslosen liege die Stadt unter dem Bundesschnitt. "Aber wir werden uns nicht damit abfinden." Lotsen und privat Engagierte belegten beispielhaft, wie entschlossen Karlsruhe für Tausende nahe der Armutsgrenze arbeite.

Reiner Kuklinski, Geschäftsführer der Volkswohnung, erläuterte das Vorhaben, bis 2020 mehr als 1.000 Wohnungen entstehen zu lassen, darunter 600 öffentlich geförderte. "Nur Neubau bringt uns aus dem Dilemma." Liga-Vorsitzende Ulrike Sinner lobte das Projekt, nannte es aber "einen Tropfen auf den heißen Stein". Den Bedarf an bezahlbaren Wohnungen bezifferte sie mit 10.000.

Ein symbolisch auf dem Kirchplatz errichteter, aber in Zahlen laut Sinner städtischen Verhältnissen entnommener, acht Quadratmeter großer Bretterverschlag für 480 Euro im Monat sollte veranschaulichen, wie karg mancher Bürger hause. Melanie Gißler sucht für sich, ihr Baby und ihre im Rollstuhl sitzende Mutter verzweifelt eine Dreizimmer-Wohnung. Auf dem Markt bevorzugten viele Vermieter Pärchen ohne Kind, dafür mit doppeltem Einkommen. Von derlei Erfahrungen berichtete die regulär Beschäftigte auf dem "Roten Sofa", das eine Gemütlichkeit verkörperte, die sie nicht mehr kennt. -mab-

 
 

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