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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. November 2014

Kultur: Verbeugung vor den Alten Meistern

GRUPPENBILD MIT DAME: Pia Müller-Tamm, EB Wolfram Jäger (Mitte) und Staatssekretär Jürgen Walter (links). Foto: SKK/Deck

GRUPPENBILD MIT DAME: Pia Müller-Tamm, EB Wolfram Jäger (Mitte) und Staatssekretär Jürgen Walter (links). Foto: SKK/Deck

 

„Klassik und Experiment“: Die andere Seite von Edgar Degas in der Kunsthalle

Edgar Degas kennt fast jeder. Er ist wie ein alter Freund. Berühmt als Chronist der Belle Epoche. Geliebt wegen seiner populären Motive aus dem Pariser Amüsierbetrieb. Aber der Franzose ist weit mehr. Einen neuen Blick auf scheinbar Altbekanntes wagt die Staatliche Kunsthalle bis 1. Februar mit der Ausstellung „Klassik und Experiment“.

Die originelle Konzeption mache den Unterschied und legitimiere, Degas´ Werk auch in Karlsruhe zur Diskussion zu stellen, sagte Direktorin Pia Müller-Tamm vor den Medien.

Sieben Themenräume mit über 120 Werken - von frühen, nach klassischen Muster komponierten Historienbildern und Porträts über moderne Sujets aus dem Alltag bis zu den Badenden des Spätwerks -  beleuchten das Schaffen des Perfektionisten, der schon mal bereits verkaufte Bilder zurückforderte, um sie zu überarbeiten. Erlebbar wird Degas auch als Neuerer, der etwa mit Fotografie experimentierte. Sieben Arbeiten des Künstlers aus eigenem Bestand wurden für die Schau um wertvolle Leihgaben von Privatleuten und Museen aus den USA, Kanada und Europa, aber auch um Degas-Vorbilder wie Ingres oder Rembrandt ergänzt.

Degas monografisch zu zeigen, sei kaum möglich. Um ihm gerecht zu werden, müsse man „nach rechts und links schauen“, verwies Kurator Dr. Alexander Eiling auf dessen eher unbekannte Seite als Verehrer der Alten Meister. Alles habe eine gewisse Janusköpfigkeit, „sein Blick ist Gegenwart, aber die Tradition wird immer mitgedacht“.

Nichts wurde dem Zufall überlassen. In langwierigen Prozessen sei eine „hochgradig artifiziell komponierte Bildwelt“ entstanden. Ganz im Gegensatz zu den Impressionisten, die in der Natur arbeiteten und sich dem Festhalten flüchtiger Augenblicke verschrieben. Und denen er ambivalent gegenüber stand.

Was beim Atelierkünstler, der die Sonne wegen eines Augenleidens mied, spontan scheint, ist es nicht. Seine Rennbahnszenen etwa. Sie haben ein Vorleben. Die Jockeybilder fußen nicht auf Beobachtungen des Spektakels, sondern haben Reiterfiguren des antiken Reliefs Parthenon-Fries als Vorbild. Oder Degas´ Selbstbildnis von 1854, auf dessen Rückseite sich die kopierte Bleistiftskizze eines jungen Mannes findet, dessen Original zunächst als Eigenporträt des Renaissance-Künstlers Raffael galt und das heute Parmigianino zugeordnet wird. Und die Ballett-Mädchen? Dürfen auch in der Karlsruher Schau nicht fehlen. Sie üben ihre Posen. Melancholisch und entrückt.

Ein Audioguide auf Deutsch (Sprecher ist Roger Willemsen) und Französisch bereitet die Inhalte der Ausstellung ansprechend auf. Für Kinder ab acht Jahren gibt es eine spezielle Führung. Der 300-seitige Katalog (Hirmer Verlag) kostet im Museum 39, im Handel 45 Euro. Öffnungszeiten sind täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. -maf-

 
 

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