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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. November 2014

Zeit für Andere: Viel mehr als nur Paten

PASSIONIERTE PATEN sind Hilde Kobbe und Alfred Kipper: zwei von rund 230 freiwilligen Helfern des Kinderschutzbundes. Foto: Fränkle

PASSIONIERTE PATEN sind Hilde Kobbe und Alfred Kipper: zwei von rund 230 freiwilligen Helfern des Kinderschutzbundes. Foto: Fränkle

 

Helfer-Paar des Kinderschutzbundes geht in Arbeit auf

„Man wächst zusammen“, „Wir wollen Familie für sie sein“, „Es ist schwer, sich zu lösen“: Die Sprachpaten Hilde Kobbe und Alfred Kipper strahlen Herzlichkeit und Elan aus. Sie haben im Alter ihre Berufung entdeckt.

Besonders ist, dass beide sich als Paar in die Arbeit des Kinderschutzbundes einbringen. Die umfasst Kurse, das Projekt „DakaDu - Das kannst auch Du!“ mit Zirkus Maccaroni, einen Kleiderladen mit kostenloser Ausgabe für Bedürftige.

Die Sprachpatenschaft soll keine Nachhilfe sein, sondern die sprachliche und soziale Entwicklung der meist ausländischen Schüler in der Freizeit voranbringen. Erkennen die Lehrer im Unterricht Defizite, können sie Gespräche mit Eltern, Fachberatern und potenziellen Paten einleiten. Wenn Letztere passen, verbringen sie regelmäßig Zeit mit dem Kind - mindestens ein Jahr.

Neben die Herausforderungen treten in aller Regel bald Erfolge. Eltern zahlen nichts, einzige finanzielle Unterstützung für die Paten ist ein Museen-Jahrespass: „Für uns sehr wertvoll“, betont Kipper. Er und seine Partnerin sind von Beginn an, seit 2006 dabei.

Sie betreuen die rumänischen Mädchen Maria und Sandra sowie den Thailänder Phakhin. Liebevoll, aber mit Regeln. Marias Handy bleibt daheim. Es lenkte nur ab, fehlt nun nicht mehr. Sie spricht und liest mittlerweile flüssig. Das Paar holt die Kinder, inzwischen Teenager, am Samstagvormittag ab und bringt sie abends zurück. Während Kipper bei den Hausaufgaben hilft, „kocht meine Lebensgefährtin was Feines“. Beim Essen werden oft Probleme besprochen. Dann ist Zeit zum Lesen, Basteln, für Ausflüge.

Die Familienbegleitung ist eigentlich ein eigenes Feld, aber: „Ich füll auch schon mal Anträge aus“, erklärt Kipper. Maria entlockten sie ihr Interesse am Schwimmen, jetzt ist sie bei der DLRG Durlach aktiv. Der schnelle, aber schmächtige Phakhin wollte Fußball spielen, was weniger gut klappte. „Tischtennis ist etwas für Dich“, sagte Kipper zu ihm, hatte recht und kaufte bald extra eine Platte. Er ist längst eine wichtige Bezugsperson und weiß: „Wir brauchen mehr Männer.“ Unter 85 meist weiblichen Paten ist Kipper eine Seltenheit.

Keineswegs engagieren sich nur Ältere. „Wir hatten schon eine 15-Jährige, die unbedingt Sprachpatin sein wollte und das bis zum Abi blieb“, berichtet Geschäftsführerin Renate Gissel. Sie muss unter anderem die Finanzierung des von Spenden abhängigen örtlichen Kinderschutzbundes sichern, der dringend eine neue Bleibe sucht: zentral, gut 200 Quadratmeter. Wer Angebote hat oder Helfer sein möchte, ist unter Telefon 0721/842208 willkommen. Sämtliche ehrenamtliche Betätigungschancen erklärt das städtische Aktivbüro unter 0721/133-1212. -mab-

 
 

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