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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 28. November 2014

Gewalt an Frauen: Vertrauen echt erfahren

FREI LEBEN - ohne Gewalt: Motto des Engagements für Frauen auf weltweit gehissten Fahnen. Foto: Fränkle

FREI LEBEN - ohne Gewalt: Motto des Engagements für Frauen auf weltweit gehissten Fahnen. Foto: Fränkle

 

Austausch am Jahrestag hilft

Perspektivische und akute Hilfe bot das Internationale Frühstück zum Tag gegen Gewalt an Frauen: Unter den rund 100 Frauen, die sich in kleinen Gruppen im Internationalen Begegnungszentrum austauschten, waren zwei, die unmittelbar aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden mussten und konnten.

Auch 25 Männer erschienen. „Wenn wir sie als Täter ansprechen, kommen sie nicht“, erklärte die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annette Niesyto in einer Gesprächsrunde aller Engagierten zum tagtäglichen Bemühen. Viele sähen sich als Opfer - von Provokationen. „Frauen reden über ihre Erfahrungen, Männer weniger“, sagte Johann-Georg Hildenbrand vom Sozialen Dienst. Gewalt werde oft vererbt: „Diesen Zirkel wollen wir durchschlagen.“

Ob eine Frau Opfer häuslicher Gewalt wird und bleibt, habe nichts mit Herkunft oder Bildung zu tun, so Birgit Mangold, die Gleichstellungsbeauftragte des Städtischen Klinikums. Viele Patientinnen kämen immer wieder mit ähnlichen Verletzungsmustern. „Wir dokumentieren sie, haben einen Leitfaden, sensibilisieren unsere Mitarbeiter.“ Teils rege sich unter denen aber auch Unmut, wenn die Frauen keine Konsequenzen ziehen.

Unverständnis, besonders im eigenen Umfeld, sei eine schwere Last für Opfer, die sich trotz der sehr komplexen Dynamik ihrer Situation anderen anvertrauten, sagte Daniela Gretz von der Frauenberatungsstelle. Eine Kolumbianerin, hieß es, beschrieb die Gewalt in ihrer Heimat als so allgegenwärtig, dass sie meist hingenommen werde. Eine Kubanerin sprach laut Mediatorin Sibylle Nies de Alva (pro familia) von wirkungsvoller Solidarität.

„Ihr wehrt Euch?“, war die Reaktion. Dass auch Frauen in Deutschland misshandelt werden, wunderte junge Ausländerinnen. Doch Niesyto betonte: „Die Rahmenbedingungen sind nicht entscheidend.“ Und sie erklärte: „Die Frauen müssen sich nicht heute öffnen. Aber sie sollen erfahren, dass sie das tun können“ - irgendwann, jederzeit. -mab-

 
 

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