Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 12. Dezember 2014

Familienbündnis: Debatte statt Feier

 

Karlsruhe ist eine sehr kinderfreundliche Stadt. Das jedenfalls vermitteln weit überwiegend positive Bürgerstimmen aus 177 Interviews des „mobilen Kinderbüros“. Doch das Karlsruher Bündnis für Familie wollte zum zehnjährigen Bestehen nicht nur feiern, obwohl der Gartensaal des Badischen Landesmuseums dazu prädestiniert war. Im Fokus sind Herausforderungen - in Wirtschaft und Gesellschaft.

Klare Kritik sei in der kleinen Umfrage nur zu Wohnen und Verkehr geübt worden, sagte Claudia Schäfer, Geschäftsführerin des Bündnisses für Familie. „Es ist einfacher, mit Hund als mit Kind eine Wohnung zu kriegen“, zitierte sie eine Einschätzung. „Kinder sind die Basis einer guten Gesellschaft“, erinnerte Bürgermeister Klaus Stapf. Da in nur noch jedem fünften Karlsruher Haushalt wenigstens ein Kind lebe, sei „eine überproportionale Lobby“ für Familien umso wichtiger.

Vereinbarkeitslüge

Referentin Dr. Johanna Possinger vom Deutschen Jugendinstitut München erläuterte den schier unmöglichen Spagat, den Mütter und Väter meistern müssten. Typisch für Kinder sei, nicht-ehelich geboren zu werden, Hochzeit und Scheidung der eigenen Eltern mitzumachen, lange mit nur einem Elternteil zu leben - dann vielleicht Patchwork. Unter Verzicht auf Zweisamkeit und Erholung versuchten viele Eltern, die Familie wie einen Betrieb zu organisieren. Hauptlast trügen die Mütter. Doch auch Väter litten unter überholten Leitbildern und zu hohen Ansprüchen.

„Geht alles gar nicht“, titelte Journalist und Vater Heinrich Wefing seinen Aufsehen erregenden ZEIT-Artikel, um nun auch in Karlsruhe mit der „Vereinbarkeitslüge“ aufzuräumen. Wenn der freie Abend spät und der Wein leer werde, zeige sich meist, „dass es keine Familie gibt, die nicht am Rande des Wahnsinns operiert“. Die Politik suggeriere, ein paar Extras genügten, „um Deutschland in ein Familienparadies zu verwandeln“. Das ärgerte und motivierte ihn wie Co-Autor Marc Brost. Ein Patentrezept habe er nicht. Doch die erste Generation, „die versucht, echte Gleichberechtigung zu leben“ habe Anspruch auf echte Umwälzungen - für Familie statt „Fahrgemeinschaft“. -mab-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe