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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Dezember 2014

Flüchtlinge: Unterkünfte an der Obergrenze

LOCKERES GESPRÄCH: Bürgermeister Martin Lenz besuchte jugendliche Flüchtlinge in ihrem Notdomizil im Griesbachhaus. Foto: Fränkle

LOCKERES GESPRÄCH: Bürgermeister Martin Lenz besuchte jugendliche Flüchtlinge in ihrem Notdomizil im Griesbachhaus. Foto: Fränkle

UNVERZICHTBAR sind laut Regierungspräsidentin Nicolette Kressl derzeit die Zelthallen auf dem Areal der früheren Mackensen-Kaserne. Foto: Fränkle

UNVERZICHTBAR sind laut Regierungspräsidentin Nicolette Kressl derzeit die Zelthallen auf dem Areal der früheren Mackensen-Kaserne. Foto: Fränkle

 

Erstaufnahmestelle für Jugendliche als Notlösung

Die Unterbringung der vielen Flüchtlinge aus Krisengebieten der Welt stellt Regierungspräsidium und Stadt vor immer größere Probleme. Dabei gelten für Erwachsene und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterschiedliche Regelungen. Zu beiden Themen gab es diese Woche Pressetermine.

Kinder und Jugendliche, die allein und ohne ihre Eltern auf der Flucht sind, genießen besonderen Schutz. Sie landen nicht in großen Gemeinschaftsunterkünften, sondern in betreuten Einrichtungen der Karlsruher Jugendhilfe und bekommen einen Vormund, der sich um sie kümmert und in Asyl- oder Bleiberechtsfragen berät.

Die Inobhutnahme ist gängige Praxis. Aber wegen des großen Zustroms reichen die rund 70 verfügbaren Plätze nicht mehr aus, es gibt Engpässe. Weil schnell etwas passieren musste, haben sich städtische Heimstiftung und Arbeiterwohlfahrt zusammengetan und im Christian-Griesbach-Haus in Mühlburg eine Großgruppe für 20 männliche Jugendliche eröffnet. Mit heißer Nadel gestrickt, aber nicht weniger professionell. Eine Übergangslösung für die Tage im Wartestand bis in den regulären Einrichtungen Plätze frei und sie verlegt werden.

Von einer „tollen Kooperation“ sprachen am Montag, 15. Dezember, vor den Medien Eva Rühle und Barbara Mehnert. Ein solcher Kraftakt innerhalb weniger Wochen sei nicht selbstverständlich, bedürfe enger Absprachen der Verantwortlichen. Die derzeit 25 Bewohner sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und kommen vorwiegend aus Syrien und Gambia.

Bürgermeister Martin Lenz stattete einen Besuch ab, schüttelte Hände und sprach mit den jungen Leuten. Die Anteilnahme der Bevölkerung an deren Schicksal sei groß, versicherte Lenz, es bleibe nicht bei Lippenbekenntnissen. Jüngstes Beispiel: Die ebenfalls anwesenden Schülerinnen und Schülern des Helmholz-Gymnasiums und ihre Direktorin Claudia Tatsch. Sie hatten sich nach einer Orchesterreise nach Jordanien und dem dort Erlebten entschlossen, ein Benefizkonzert zu geben und den Erlös für Flüchtlinge zu spenden. Hier wie dort entpuppte sich Musik als verbindendes Element. Ohne Scheu stimmte ein junger Kurde aus Syrien ein Lied an und die Umstehenden sangen mit. Es sind Begegnungen von kurzer Dauer, aber mit bleibendem Eindruck.

In einer „Hauruckaktion“ waren im Herbst auch auf dem Gelände der früheren Mackensenkaserne zwei Zelthallen aufgestellt und hergerichtet worden. Was als „Puffer“ gedacht war, wird nun dringend gebraucht. Mit 1.000 Neuankömmlingen - derzeit vorwiegend aus den Balkanstaaten - sei in der Notunterkunft „die Obergrenze erreicht“, sagte Regierungspräsidentin Nicolette Kressl am Dienstag, 16. Dezember, bei einem Rundgang. Die Menschen schlafen in Doppelstockfeldbetten. Damit wenigstens ein bisschen Privatsphäre gewahrt bleibt, trennen Bauzäune mit Plastikplanen als Sichtschutz größere Gruppen voneinander. Mittags gibt es im Catering-Zelt ein warmes Essen und Lunchpakete.

Karlsruhe beherbergt aktuell 4.000 Flüchtlinge, in Meßstetten sind es 900, in Mannheim 600. Entlastung verspricht sich das Regierungspräsidium von der Eröffnung einer Einrichtung in einer ehemaligen US-Wohnsiedlung in Heidelberg, die bis zu 2.000 Plätze bietet. -maf-

 
 

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