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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 30. Januar 2015

Geschichte: Erster jüdischer Abgeordneter im Landtag

ERSTER JUDE: 1862 zog Rudolf Kusel in Landtag ein. Foto: Stadtarchiv

ERSTER JUDE: 1862 zog Rudolf Kusel in Landtag ein. Foto: Stadtarchiv

 

Rudolf Kusel starb vor 125 Jahren / Engagement des Anwaltes in der Kommunalpolitik

Als Sohn eines Bankiers sollten dem am 9. Mai 1809 in Karlsruhe geborenen Rudolf Kusel nach einem glänzenden Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und München alle Wege offen stehen. Als Jude war ihm eine Karriere im Staatsdienst jedoch noch verbaut.

So wurde er 1835 Rechtsanwalt und machte sich schnell einen Namen bei Hofgerichtsverhandlungen, nach der Reichsjustizreform auch beim Land- und Oberlandesgericht Karlsruhe. Er vertrat Zivil- wie Strafrechtssachen.

Der gemäßigte Liberale verteidigte nach der niedergeschlagenen Revolution 1849 Aufständische, was ihm zahlreiche Anfeindungen einbrachte. Beim zum Tode verurteilten Verteidiger der Festung Rastatt, Otto von Corvin, gelang es ihm, das Todesurteil auf sechs Jahre Zuchthaus abzumildern.

Kusel war dem jüdischen Gemeindeleben wie dem öffentlichen Leben Karlsruhes verbunden. Die jüdische Gemeinde unterstützte er ausgehend vom Gleichheitsgrundsatz 1847 in ihrem Widerspruch gegen die Stadt. Diese wollte Juden für die Umlage zugunsten christlicher Ortsarmen heranziehen, verweigerte dies jedoch umgekehrt.

Als mit der Emanzipation 1862 Juden volle staatsbürgerliche Rechte erhielten, wurde er zum Abgeordneten der Zweiten Kammer des Badischen Landtags gewählt und übte das Mandat bis 1870 aus. 1865 wurde er Mitglied in der Kreisversammlung und 1871 im Bürgerausschuss.

Er wohnte am Marktplatz im vom Vater erbauten Weinbrennerschen Gebäude, heute Sparkasse. 1887 zog sich Kusel, inzwischen erkrankt, als Advokat zurück. Er starb am 26. Januar 1890 und ruht  auf dem jüdischen Friedhof an der Kriegsstraße. -jsk-

 
 

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