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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. März 2015

Haushalt: „Zugabe“ für Tempel und Substage

RÜCKENDECKUNG für das Badische Staatstheater gab es im Plenum trotz einiger Kritik an den seit Jahren steigenden Betriebskosten. Foto: Fränkle

RÜCKENDECKUNG für das Badische Staatstheater gab es im Plenum trotz einiger Kritik an den seit Jahren steigenden Betriebskosten. Foto: Fränkle

WENN DER TEMPEL ALS „VER-EINSHEIM“ für Tommy Baldu fun-giert und ausverkauft ist, wird es zuweilen ganz schön stickig. Der Einbau einer neuen Lüftungsanlage schafft Abhilfe. Foto: Bastian

WENN DER TEMPEL ALS „VER-EINSHEIM“ für Tommy Baldu fun-giert und ausverkauft ist, wird es zuweilen ganz schön stickig. Der Einbau einer neuen Lüftungsanlage schafft Abhilfe. Foto: Bastian

 

Förderung kleiner und großer Kultur-Projekte / Debatte um Staatstheater-Betriebskosten

Karlsruhe lässt sich die Kultur einiges kosten. 2015 stehen 39,4 Millionen Euro, 2016 38,2 Millionen Euro zur Förderung kleiner und großer kultureller Aushängeschilder bereit. „Zugaben“ gab es bei den Beratungen zum Doppeletat 2015/2016 trotzdem. Tempel und Substage profitierten, aber auch Marotte, Sandkorn-Theater oder Werkraum.

Für das Badische Staatstheater weist die Stadtkasse pro Haushaltsjahr als Komplementärförderung zum Land 23 Millionen Euro aus. Die künstlerische Arbeit des Theaters sei hervorragend wurde unisono attestiert, gleichwohl bereiteten KULT, Grünen und GfK die steigenden Betriebskosten der Staatsbühne Kopfzerbrechen.

Das Haus sei in dieser Hinsicht „ungenügend aufgestellt“ kritisierte KULT-Stadtrat Dr. Eberhard Fischer. Ein Konzept müsse her, das den erneuten Zuschusszuwachs um rund vier Prozent pro Jahr bremse. Mit der Umwandlung in einen Eigenbetrieb des Landes und der Besetzung einer Controlling-Stelle biete sich nun eine „echte Chance“. Nur so lasse sich verhindern, dass schlimmstenfalls wie andernorts Sparten geschlossen werden müssten.

Zuschusszuwachs bremsen

Ute Leidig (GRÜNE) riet, auf Formate wie die Jazz-Night zu verzichten. Sie gehörten „nicht zu den originären Aufgaben“ des Staatstheaters, mancherorts kursiere gar das Wort vom „Kulturkannibalismus“. Auch GfK-Stadtrat Friedemann Kalmbach konnte die aktuellen Zahlen nicht nachvollziehen und bestand auf Streichung je einer Million.

Die Kosten würden lediglich an Tariferhöhungen angepasst, außerdem erleichtere die neue Betriebsform Steuerung und Transparenz, warb CDU-Stadtrat Dr. Albert Käuflein wie auch die Verwaltung für den Kulturriesen, dessen Etat letztlich nicht angetastet wurde. Auch Elke Ernemann (SPD) wollte den Umstellungsprozess abwarten. „Wer die Gehälter von Schauspielern kennt, kann keine Kürzung verlangen“, gab Niko Fostiropoulos (Die Linke) zu bedenken und stellte sich wie Tom Hoyem (FDP) hinter das Badische Staatstheater.

Bessere Lüftung im Tempel

Dicke Luft herrscht beim Kulturzentrum Tempel nicht, weil die Verantwortlichen mit irgendwem überkreuz liegen, sondern weil es in der Scenario-Halle bislang keine ordentliche Lüftung gab und die behelfsweise Öffnung der Seitentür wegen der neu angrenzenden Wohnbebauung aus Lärmschutzgründen keine Option mehr ist. Mit dem von SPD, KULT, Grünen und FDP beantragten Baukostenzuschuss über 140.000 Euro für Lüftung und Schallschutz wendet sich die Situation zum Besseren. Auch das Tempel-Tanzfestival wurde mit 15.000 Euro pro Jahr bedacht.

Platz für kleinere Veranstaltungen der lokalen Musikszene schafft sich das Substage mit dem Ausbau des Obergeschosses. Den dafür benötigten Treppenturm inklusive Fahrstuhl für Menschen mit Behinderung unterstützte der Gemeinderat mit 270.000 Euro, davon 120.000 als zinsloses Darlehen. „Zugpferde“ waren KULT, Die Linke, SPD, Grüne, FDP und CDU. Das Figurentheater Marotte kann mit zusätzlichen 20.000 Euro pro Jahr die Produktionen für Erwachsene ausweiten, Sandkorn-Theater und sein Kooperationspartner Tiyatro Diyalog die interkulturelle Theaterarbeit mit Migranten. Zusätzliche Förderungen für die beiden kommenden Jahre erhielten darüber hinaus der Werkraum (30.000 Euro) sowie der Verein CSD, der die Karlsruher Variante des Christopher Street Days organisiert (12.000 Euro).

Bis die Karlsruher Majolika einen Wirtschaftsplan vorlegt, werden 40.000 der 160.000 Euro Zuschuss pro Jahr mit einem Sperrvermerk versehen - ein Kompromissvorschlag der CDU-Fraktion, auf den sich der Rat schließlich mehrheitlich einigte. GRÜNE-Stadträtin Ute Leidig und die SPD hatten sich zuvor gegen die „steigende Dauersubventionierung“ der Manufaktur gestemmt, Dr. Albert Käuflein (CDU), Jürgen Wenzel (FW) und AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt plädierten hingegen dafür, der 2011 neu gegründeten Stiftung mehr Zeit zu geben, ihre wirtschaftlichen Potentiale auszuschöpfen. -maf-

 
 

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