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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. März 2015

Soziales: Exklusiv und nachhaltig beraten

„Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“: Psychosozialer Dienst debattiert zum 40.

„Nach wie vor gilt das Prinzip, dass Freiwilligkeit nicht Voraussetzung, sondern erstes Ziel in der Beratung ist.“ Diese Bilanz samt Entstehungsgrund des Psychosozialen Dienstes von 1980, als der Soziale Dienst etwa 70 Prozent der Klienten vermittelte, passt teils auch zum 40-jährigen Bestehen noch.

Das hat der als Ein-Mann-Team gegründete Psychosoziale Dienst am Montag in der Karlsburg Durlach gefeiert - mit einer Fachtagung über Vertrauen und Kontrolle. Im inzwischen exklusiven Zugang über den Sozialen Dienst sieht Leiter Siegfried Mutschler-Firl den Schlüssel zum Erfolg und zur Zielgruppe: „Die Mutigen würden sonst denen, die unsere Hilfe am Nötigsten haben, den Platz wegnehmen, und wir müssen auf diese Menschen zugehen.“ Hilfe komme am ehesten über nachhaltige Beratung an. Hilfe zur Selbsthilfe gehört dazu. „Fühl’ mal“ (2005) und „Mach’ mal“ (2011) sind exemplarische Initiativen.

Wichtig ist auch die Abstimmung mit anderen Einrichtungen wie dem Jugendamt. Dessen Leiterin, Dr. Susanne Heynen, die 1994 zum Psychosozialen Dienst kam, stolperte zunächst über den Titel der Tagung, der die Redwendung „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ umdrehte. Sie sehe keinen massiven Widerspruch: „Dass Grenzen überschritten, Vereinbarungen nicht eingehalten werden, muss adäquat beantwortet werden.“ Zugleich geht sie mit Mutschler-Firl konform, der konstatierte: „Ohne Vertrauen können wir nicht arbeiten, aber blindes Vertrauen kann nicht die Lösung sein.“ Mit ihrem ehrlichen Vortrag „Zurück in die Hoffnung“ über die aktuelle Herausforderung der Multiproblemfamilien machte die Berliner Mentorin Dr. Marie-Luise Conen Mut. Sie sprach von einer Illusion der Kontrolle, forderte aber konstruktiv entlastende Fallzahlbegrenzungen und sachliche Supervisionen als Bundesstandards. -mab-

 
 

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