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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. April 2015

Heimattage 2017: Fächerstadt will modern verwurzeln

Vernetzung, Mobilität und Karl Drais sollen Heimatgefühl ausstrahlen und festigen

Wie klingt Heimat heute? Eine jazzige Variante des Badnerlieds gab dem Plenum eine moderne Antwort beim Startschuss für die Heimattage Baden-Württemberg, die 2017 in Karlsruhe stattfinden

Während die Regionalhymne gleichwohl zeitlos aktuell bleibt, sind der französische Saxofonist und der brasilianische Bassist von „Sound of Heimat“ typisch für Karlsruhe: Mehr als 80 Prozent seiner Bürger stammen aus anderen Orten Deutschlands und der Welt. Grund genug für die Fächerstadt, das allgemein verbreitete Gefühl der Entwurzelung aufzugreifen und Heimat - ein bedeutungsvolles, aber oft als verpönt geltendes Wort - neu zu fassen: lokal, digital - Identität stiftend.

„Heimat erlebt eine Renaissance als Gegenentwicklung zur Globalisierung“, führte Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz aus. Sie sprach von der Wissenschafts- und Technologiestadt als Strahlkraft entfaltende Charakteristika, von geforderter wie gewünschter Flexibilität und Mobilität als Synonymen temporärer Beheimatung. Karlsruhe als entgegen dem demografischen Wandel eine der am stärksten wachsenden Städte der Republik könne aber mehr sein und tue gut daran, Liberalität und Toleranz wie seit jeher als Säulen zu begreifen.

Mit klarem Konzept und ebensolcher Profilierung, auch über Stärken wie IT und Mobilität, erhoffen sich die Organisatoren, ein Wir-Gefühl etablieren zu können. Der erste großstädtische Gastgeber der Heimattage will über die obligatorischen traditionellen Elemente hinaus Neues transportieren und so möglichst viele Menschen erreichen.

Stadtmarketing-Chef Norbert Käthler nannte dazu drei Leitthemen: Heimat in Bewegung, Heimat im Netz, Heimat des Fahrraderfinders. Zudem vergebe die Stadt einen Heimatpreis. Anreize, um Karlsruhe wirklich Heimat werden zu lassen.

„Der Gedanke an Heimat ist schön“: So war im Bürgerzentrum Südstadt eine von hunderten, in Arbeitsgruppen generierten Karten beschrieben. Sie sammelten Assoziationen, Erwartungen und Ideen: etwa eine „Karlstournee“ mit den Partnerstädten, Filme aus Karlsruhe und deren Würdigung, Essen wie bei Muttern - international, eine Wesensanalyse der Stadtteile.

Vertretungen zahlreicher Organisationen trugen weitere Gedanken zusammen. Ariane Bertz von den Stadtwerken etwa schwebte vor, zu ergründen, wie Karlsruhe gesehen werden will und eine emotionale Bindung schaffen kann, für die vor allem Köln steht. Viele Teilnehmende sprachen aus Migrantensicht von Stadt und Gesellschaft bereichernden Heimaten.

Die Entwicklung des Heimatgefühls zeigte Autor Burkhard Spinnen fiktiv mit Familie Müller auf Zeitreise: Vom Bauer im 18. Jahrhundert, der wie seine Ahnen immer am Hof war und über Heimat nicht nachdachte, zum Nachkomme eines nach Amerika ausgewanderten Müllers, der einstige Armut in Vermögen wandelte und trotzdem Verlust spürte. Wie ein Verwandter in Deutschland, der die in die Stadt ausgewichenen Müllers zum Unternehmertum führte.

Beide gründeten Heimatvereine, um diffus Vermisstes zu kompensieren. Während ein Sohn des Deutschen willfähriges Opfer der Heimat pervertierenden NS-Ideologie wurde, verfielen seine Kinder der sozialistischen Utopie universeller Heimat, welche die nächste Generation im Internet verwirklicht sah. Abgesehen vom ersten Müller eint all diese Gedanken nur eines: große Sehnsucht.  Die will Karlsruhe nun mit neuem Heimatempfinden erfüllen. -mab-

 
 

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