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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 17. April 2015

Kultur: Wenn alle zum 60. alles zeigen

ALLE sind es nicht ganz, aber immerhin rund 340 von etwa 400 Mitgliedern stellen zum 60-jährigen Bestehen des Künstlerbundes Baden-Württemberg in der Städtischen Galerie aus. Foto: Müller-Gmelin

ALLE sind es nicht ganz, aber immerhin rund 340 von etwa 400 Mitgliedern stellen zum 60-jährigen Bestehen des Künstlerbundes Baden-Württemberg in der Städtischen Galerie aus. Foto: Müller-Gmelin

 

Künstlerbund Baden Württemberg mit opulenter Geburtstagsschau in städtischer Galerie

In aller Vielfalt gibt der Künstlerbund Baden-Württemberg der Städtischen Galerie ein weiteres Mal die Ehre. Zum 60. Geburtstag lädt die Mitgliederausstellung „Alle !“ mit rund 400 Arbeiten von 340 Malerinnen und Zeichnern, Bildhauern, Objekt- und Videokünstlerinnen zur Auseinandersetzung ein.

Über 40 von ihnen leben in Karlsruhe, weit mehr haben an der hiesigen Kunstakademie studiert. Im Februar 1955 vom Rat der Zehn gegründet, geht es nach wie vor um die Gleichberechtigung und Vielfalt unterschiedlichster Ausdrucksstile zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Wie schon vor zehn Jahren bei der Schau „A bis Z“ wurde bewusst auf eine stilistische oder historische Gruppierung der Exponate verzichtet. Wohl aber versucht, Verbindungen zwischen den verschieden Positionen herzustellen – etwa über die Farbe Rot. So leuchtet dem Publikum bedrohlich Sibylle Wagners blinkendes Messer im C-Print mit Acryllack entgegen oder schafft sich gegenüber  Gabi Streiles Melone Raum.

Alles andere als harmlos ist Reinhold Achts um den künstlerischen Alltag kreisende Schriftcollage  „Geschenkpapier“, wo Aspekte wie  „Egoismus, Konzentration und So nicht“ hervortreten. Den Künstler als Phantom im leeren Atelier, inszeniert im mittelalterlichen Triptychon, präsentiert Martin Kasper ohne Titel. Und ist Daniel Wagenblasts hölzerne „HandFrau“ nun schützend umfangen oder in einer sie erdrückenden Pranke eingesperrt?

Willi Baumeister, der einst zum Rat der Zehn gehörte, nennt Axel Heil in einem Siebdruck mit dem Untertitel Billi Waumeister „Billy, der Unbekannte“. Einen surrealen, sich ständig vexierhaft verändernden „Weltneubau“ hat Stefan Heller in seinem Experimentalfilm entworfen. Und Margret Eichers großformatige Apokalypse verstört,  altmeisterlich gemalt, mit waffenstarrendem Grauen unserer Tage.

Den Erich-Heckel-Preis erhielt bei Ausstellungseröffnung der in Hechingen-Beuren lebende Maler Andreas Grunert. Die aus Weingarten stammende Zeichnerin und Objektkünstlerin Simone Rueß bekam den diesjährigen Förderpreis des Freundeskreises.

Der 700-seitige Katalog mit 350 Abbildungen stellt die Mitglieder vor und ist nicht wie beim 50-Jährigen ein “Backsteinband, sondern eine Mischung aus Telefonbuch und Bibel“, so Vorsitzender Werner Pokorny. Viele Arbeiten können auch gekauft werden, die Preisliste liegt am Tresen der  Galerie aus. -cal-

 
 

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