Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Mai 2015

Integrationspreis: Appelle für mehr Wir-Gefühl

AUSGEZEICHNETE Integrationsarbeit leisten die von drei IBZ-Vertreterinnen und BM Lenz eingerahmten Preisträger Ruth Stephan, Andrea Fischer (beide Flüchtlingshilfe), Dr. Katharina Corrinth und Edwin Feser. Foto: Fränkle

AUSGEZEICHNETE Integrationsarbeit leisten die von drei IBZ-Vertreterinnen und BM Lenz eingerahmten Preisträger Ruth Stephan, Andrea Fischer (beide Flüchtlingshilfe), Dr. Katharina Corrinth und Edwin Feser. Foto: Fränkle

 

IBZ-Motto: Freund statt fremd

Betroffen vom Schicksal hunderter Flüchtlinge, die zuvor binnen weniger Tage im Mittelmeer ertrunken waren, nahm Schriftstellerin Jagoda Marinić ihre Festansprache zur Verleihung des 19. Karlsruher Integrationspreises zum Anlass für Appelle: „Wir sollten aufhören mit ‚Wir’ und ‚Die’.“ Es brauche neue Blickwinkel, damit „die, die hassen“ künftig abseits stünden, und nicht mehr „die, die irgendeinen Pass haben“.

Im nach rechts driftenden Europa gelte Deutschland als Modell-Land für gelungene Integration - und: „Ein Einwanderungsland braucht kaum etwas mehr als eine gemeinsame Narration.“

Diese Haltung korrespondierte mit dem Motto der Feierstunde des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ): „Vom Fremden zum Freund.“ Für ihr Engagement von IBZ und Stadt ausgezeichnet wurden: die Ärztin, Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Katharina Corrinth, die über den Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten jährlich rund 350 Patienten betreut, Edwin Feser, der sich seit Jahrzehnten um die Integration der Kinder von Spätaussiedlern verdient macht, und die Flüchtlingshilfe Karlsruhe.

Deren Mitstreitern dankte Laudatorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani, als Kind aus dem Iran geflohene Autorin: „Sie gaben praktische Hilfen, stampften ein Netzwerk aus dem Boden. Manch Helfer stieß an seine Grenzen und überschritt sie - weil es sonst keiner getan hätte.“ Letzteres trifft wohl auch auf Feser zu, den der Vorsitzende des Stadtjugendausschusses, Dr. Philipp Wendy, dafür rühmte, dass er den Sport Gorodki im Westen etablierte, aber noch viel mehr tat: „Der Preisträger hat nicht versucht, die Zerrissenheit aufzuzeigen.“ Die jungen Menschen sollten „als Karlsruher leben“.  Udo Dreutler vom Verein Freunde für Fremde nannte die Pensionärin Dr. Corrinth einen „großen Gewinn für uns“ und honorierte: „Sie schauen nicht weg.“

Wichtig, denn „es geht um das Dazugehören“, wie Bürgermeister Dr. Martin Lenz unterstrich. Dass 17 Bewerbungen für den Integrationspreis zu sichten gewesen seien, zeuge „vom beständigen Willen, ein Klima der Harmonie zu schaffen. Wichtig ist, dass wir Integration als gemeinsame Aufgabe betrachten, und dass wir im Dialog bleiben.“ Essenzielle Beiträge dazu leisteten die Preisträgerinnen und Preisträger, weshalb sie als „beste Brückenbauer“ zu würdigen seien.

„Unsere Verantwortung ist, lokal zu leben und global zu denken“, betonte Marinić, die in Heidelberg das Interkulturelle Zentrum aufbaute, und mahnte: „Wir dürfen unseren Kindern nicht ihre Träume nehmen.“ Wie die farbige Sängerin Lisa Benjamin, ein Talent der Region, eingangs „You’ve got a friend“ und „Count on me“ präsentiert hatte, passte zu Bild und Losung. -mab-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe