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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Mai 2015

Kultur: Power gefragt statt Nostalgie

GELASSEN VERFOLGT DAS SCHWEIN an der Weinbar „Aurum“ die Veränderungen auf dem Schlachthof-Gelände. Foto: Bastian

GELASSEN VERFOLGT DAS SCHWEIN an der Weinbar „Aurum“ die Veränderungen auf dem Schlachthof-Gelände. Foto: Bastian

 

Wie es sich für die Kreativbranche gehört, sind selbst Workshop-Ergebnisse etwas anders aufbereitet. Eine Wand veranschaulicht als riesiges Comic, was bei dem Symposium „Alter Schlachthof: Einblicke - Ausblicke“ nach vielen Stunden engagierter Diskussion herauskam. Graphic Recording nennt sich die Methode, die komplexe Inhalte typografisch und illustrativ aufbreitet.

Passt zum Ort. 2005 wurde die Umwandlung des Schlacht- und Viehhofs Karlsruhe in ein Areal der Kreativ- und Kulturwirtschaft beschlossen, zehn Jahre später hat sich Grundlegendes verändert. Über 70 Firmen beider Branchen haben sich angesiedelt, dazu gesellen sich Freischaffende, Gastronomie sowie Beratungs- und Dienstleistungen. Zeit also, eine erste Bilanz zu ziehen.

Eingeladen zum Austausch über Aspekte der Stadtplanung, Chancen gemeinsa-men Arbeitens oder der Bedeutung des Standorts für Karlsruhe hatten Ausgeschlachtet e. V., das K3 Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro sowie die Fächer GmbH.

Die gute Nachricht zuerst. Per Online-Befragung hatte Kulturmanagerin Nora Wegner im März von 108 angeschriebenen Unternehmen, Einrichtungen und Ateliers unter anderem wissen wollen, was sie von ihrer Wirkungsstätte hielten. 83 antworteten und davon sind 52 Prozent „sehr zufrieden“ und 43 Prozent „eher zufrieden.“

Als Ergebnisse des Tages wünschen sich Nutzerinnen und Nutzer mehr Mitsprache, ein gemeinsames Leitbild, mehr Austausch mit Politik, Wirtschaftsförderung und Kultur, die Umbenennung der Haltestelle „Tullastraße“ in „Alter Schlachthof“ oder auch den achtsameren Umgang mit Freiflächen. Auch sollten weitere Kreativzentren entstehen.

Der Schlachthof sei nicht gedacht als „großer Staubsauger“, der die Kreativszene Karlsruhes absorbiere, sagte dazu Baubürgermeister Michael Obert beim abendlichen Abschluss, eher als Hefeteig, der in der gesamten Stadt aufgehe. Tollhaus-Geschäftsführer Bernd Belschner forderte „mehr Offenheit der Entscheider“ für viele gute Ideen und Archis-Architekt Klaus Fehrenbach warb für das Belassen einiger „Dreckecken“, nicht alles müsse perfekt geplant sein. Andere kritisierten, die Architektur sei teils zu brachial, die Gründer-Beratung nicht speziell genug. Und eine weitere Wortmeldung befasste sich mit der prekären Altersvorsorge freischaffender Künstler.

Er erwarte Offenheit neuen Entwicklungen gegenüber, erklärte OB Dr. Frank Mentrup, schließlich verkaufe die Stadt Gelände an Investoren, „damit wir andere Dinge machen können.“ Er erwarte „Power“ und keinen „nostalgischen Rückzug.“ -maf-

 
 

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