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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Mai 2015

Geschichte: Ermordete dem Vergessen entreißen

SCHICKSALE ERMORDETER KARLSRUHER  jüdischen Glauben haben wieder viele Engagierte für das städtische Gedenkbuch recherchiert, wofür ihnen Dr. Susanne Asche, David Seldner und Jürgen Schuhladen-Krämer dankten. Foto: Fränkle

SCHICKSALE ERMORDETER KARLSRUHER jüdischen Glauben haben wieder viele Engagierte für das städtische Gedenkbuch recherchiert, wofür ihnen Dr. Susanne Asche, David Seldner und Jürgen Schuhladen-Krämer dankten. Foto: Fränkle

 

Wieder 21 neue Biografien in Gedenkbuch eingefügt / Für Vielfalt und Menschenrechte

„Im 70. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges sehen wir die Erinnerung an das Individuum, die Suche nach dem Einzelnen, das Bekenntnis zu den Menschenrechten als Kern unserer Kulturpolitik. Zumal es wieder Rechtsradikale auf unseren Straßen gibt und die Bundesrepublik sich vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen vor dem Vorwurf des Rassismus verantworten muss.“

Bei der Vorstellung der in den vergangenen beiden Jahren neu in das Gedenkbuch für die Karlsruher Juden eingelegten Biografien warb die Leiterin des Kulturamts, Dr. Susanne Asche, eindrücklich für Karlsruhe als Stadt der Vielfalt, der Empathie und Partizipation, für die auch die große Kundgebung für Menschenrechte, Vielfalt und Toleranz auf dem Platz der  Menschenrechte am 23. Mai um 11 Uhr steht.

All diesen Zielen ist das Gedenkbuch verpflichtet, für das 20 Engagierte, darunter viele Schülerinnen und Schüler,  neu die Schicksale von 38 ermordeten Karlsruherinnen und Karlsruhern in 21 Einzel- oder Familienbiografien recherchiert haben. Zu finden sind die bisher dem Vergessen entrissenen 531 Biografien im gedruckten Gedenkbuch im Stadtarchiv oder im Internet unter www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/gedenkbuch.de.

Jürgen Schuhladen-Krämer, seit 13 Jahren Seele des Projekts, dankte den Aktiven ebenso wie Asche und der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, David Seldner. Bei Anfragen aus den USA oder Israel verweise er stets auf das persönliche Gedenkbuch, so Seldner: „Juden waren früher Teil der Stadt. Ihre Vertreibung und Ermordung hat  ein riesiges Loch gerissen.“

Wie Schuhladen-Krämer fürchtet auch er, dass wegen der dürftigen Quellenlage nicht mehr alle der „noch fehlenden 500 Biografien zu schaffen“ seien. Aber auch ohne Abschluss lebe das Projekt. So hat sich Christa Koch dem im August 1942 in Auschwitz ermordeten Leopold Würzberger gewidmet. Er hatte in Eggenstein die erfolgreiche väterliche Spiritusfabrik übernommen.1936 wurde sie enteignet, nicht um die Produktion weiter zu führen, sondern um an die Brennrechte zu kommen.

Rudolf Raphael Marx spürte der Lessing Schüler Michael Börner nach. Der mit einer Christin verheiratete, erfolgreiche Handelsvertreter, wurde zwar nicht nach Gurs, aber wegen angeblicher defätistischer Bemerkungen 1943 nach Buchenwald deportiert, wo er völlig entkräftet starb. -cal-

 
 

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