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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Mai 2015

Gutachterausschuss: Tiefstand bei Immobilienkäufen

 

Für Markterholung fehlt ausreichendes Angebot / “Wohnraumpaket“ griff 2014 noch nicht / Marktbericht vorgelegt

Die östliche Südstadt gibt nur noch wenige Immobilienangebote her, wer fündig wurde, hält an Haus oder Wohnung fürs Erste fest. Das Quartier Zukunft Nord in der westlichen Nordstadt wiederum ist noch nicht am Start. Weshalb 2014 dem knappen Angebot meist eine kaufwillige Interessentenschar gegenübersteht.

Mit nüchtern-erfahrenem Blick auf die Kauffälle 2014 sowie weiterer Marktanalysen stellt der Gutachterausschuss für die Ermittlung von Grundstückswerten im Immobilienmarktbericht 2014 fest: Die Kauffälle sind im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent (von 3.187 auf 2.510) zurückgegangen. Dies ist ein historischer Tiefstand - letztmals wechselte Mitte der 1980er Jahre weniger Eigentum den Besitzer. Der Wertumsatz fiel um 20 Prozent. Durchweg rechnen die Experten fürs erste Halbjahr 2015 mit Kauffällen auf gleichem Niveau - bei leicht ansteigenden Preisen.
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on einer kurzzeitigen Delle geht der Vorsitzende des Gutachterausschusses, Dr.-Ing Michael Mürle nicht aus: „Für eine Erholung der Entwicklung auf dem Immobiliensektor fehlt es an ausreichendem Angebot“. Die vermehrte Nachfrage durch den Bevölkerungszuwachs und die Attraktivität Karlsruhes als Wohn- und Wirtschaftsstandort sowie dem Vertrauen in eine sichere Wertanlage Immobilie wird dies in absehbarer Zeit nicht kompensieren können, fügt der Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, Rüdiger Huck, an. Das 2014 vom Gemeinderat beschlossene „Wohnraumpaket“ - das Karlsruher Wohnraumförderungsprogramm (KaWoF) und Karlsruher Innen¬entwicklungsprogramm (KAI)  - wirke sich auf dem Markt noch nicht nachweisbar aus.

Ein rund 270 Quadratmeter großes Reihenhausgrundstück wurde 2014 für rund 460 Euro/Quadratmeter veräußert. Für ein Reihenhaus (Baujahr 1983) in mittlerer Lage mussten Erwerber rund 360.000 Euro anlegen - und erhielten dafür im Durchschnitt 130 Quadratmeter Wohnfläche auf 268 Quadratmeter großem Grundstück. Für dieses „Standardprodukt“ sind die Preise mehr als im Segment der Ein-/ Zweifamilienhäuser nach oben gegangen, so Huck.

Mehr Raum hat der Ausschuss den Wohn- und Geschäftsgebäuden mit Häufigkeitsverteilung und Qualitätsparameter gewidmet, da dies in Karlsruhe ein wahrnehmbares Marktsegment geworden sei, so Hucks Kollege Marc-Simon Vetter. Ludwig-Erhardt-Allee und Brauerstraße seinen hier die Adressen. Der Vergleichswert für eine 72 Quadratmeter große Eigentumswohnung liegt bei rund 140.000 Euro. Aktuell überarbeitet wurden hier die Durchschnittspreise abhängig von Wohnfläche und Baujahresklassen - ideale Richtschnur für Kaufinteressierte.

Was Marktransparenz und Wertermittlung nicht einfacher macht, ist der Umstand, dass neben harten Fakten zunehmend andere Parameter für die Kaufentscheidung herangezogen werden, erklärt Huck. In Niedrigzinsphasen sind Immobilienpreise finanziell leichter darstellbar, auch höhere Preise können dem Vergleich mit dem Mietobjekt standhalten. Einzelne Kaufpreise seien hierbei durch die Decke geschossen, was sich wohl nur mit Liebhaberpreisen bei gleichzeitig begrenztem Angebot erklären lässt, so Huck.

Der Gutachterausschuss will mit zusätzlich aufbereiteten Informationen zur sachlichen Abwägung beitragen. Etwa mit der sogenannten Boxplotdarstellung für den Weiterverkauf von Wohnungseigentum. Die Auswertung lässt auf den ersten Blick erkennen, in welcher Preisspanne die Hälfte der ausgewerteten Daten liegen - und wie weit davon entfernt die „Ausreißer“ liegen. Wer richtig in die Tiefen der Bewertung einsteigt, findet wie gewohnt die erforderlichen Daten für die Wertermittlung. Überarbeitet wurden hier die Indexreihen. -rie-

 
 

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