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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. Mai 2015

Landesausstellung: Zwischen Krieg und Lebensgenuss

STADTGRÜNDER: Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Foto: BLM

STADTGRÜNDER: Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Foto: BLM

GATTIN: Magdalene Wilhelmine blieb in Durlach. Foto: BLM

GATTIN: Magdalene Wilhelmine blieb in Durlach. Foto: BLM

 

Erste Schau über Stadtgründer Karl Wilhelm im Landesmuseum / Barocke Inszenierung

Schön, stark, ehrgeizig, auch kontrollsüchtig, stur und eitel, gebildet, charmant wie genussfreudig, emotional und verletzlich soll der Natur-, Theater- und Frauenfreund Karl III Wilhelm von Baden gewesen. Zum 300. Jubiläum spürt das Badische Landesmuseum nun erstmals in einer Landesausstellung der schillernden Persönlichkeit des legendenbehafteten Stadtgründers nach.

Mit 250, teilweise noch nie gezeigten Exponaten entsteht so, barock inszeniert, das Panorama einer von schrecklichen Kriegen wie unbändiger Lebenslust geprägten Epoche. Das Publikum betritt  ein brennendes Gassentheater, schreitet durch einen stilisierten dunklen Wald, entdeckt die historische Schatzkammer und spaziert durch den labyrinthischen, zartgrünen Barockgarten. Entspannen  lässt es sich  schließlich in der Lounge mit Computerspielen, Stadtmodell, 3-D-Memory, Hörstationen, Tulpentisch und Leseecke.

Karl-Wilhelm-Puppe begrüßt zum Anfassen

Zunächst begrüßt Karl Wilhelm im Theater die Besucher als lebensechte Puppe zum Anfassen. Um ihn herum versinkt Durlach in Schutt und Asche, abgenommen von einem Merianstich des Stadtarchivs von 1691. Ohne die Vernichtung der alten Residenz durch die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg - Ludwig XIV trumpft im monumentalen Reiterportät auf -  gäbe es Karlsruhe nicht.

In kleinen Seitenkabinetten erscheint Karl Wilhelms Leben bis zur Regierungsübernahme 1709. Ein Horoskop verheißt ihm bei seiner Geburt ein liebesreiches Leben. Erstmals ist ein Porträt des Siebenjährigen aus dem Besitz des Hauses Baden zu sehen. Persönliches wie ein Kavaliersdegen, Schreibübungshefte mit "Sauklaue" (Kuratorin Jacqueline Maltzahn-Redling), Briefe, das erste, überhaupt erschienene französische Wörterbuch als  Geschenk für den sprachbegabten Prinzen, Porträts der Eltern und seiner mit ihm verheirateten Gattin Magdalene Wilhelmine charakterisieren die heterogene Persönlichkeit. Dass ihn das fürstliche Standardhobby, die Jagd, kaum interessierte, wird im  Wald durch einen monumentalen Brüsseler Gobelin und einen ausgestopften Auerhahn visualisiert.

Richtschwert und Text der Malefizordnung  zeigen wie der neue Landesherr wieder Ordnung schaffen wollte. Gegenüber weist das erst jüngst entdeckte Porträt samt eheähnlichem Vertrag auf seine einzige wahre Liebe Eberhardine  von und zu Masenbach. Rote Architektenrichtschnüre und schräge Wände mit vielen - auch nicht ausgeführten - Bauplänen  zeigen die Entstehung der Fächerstadt.

Privilegienbrief fehlt nicht

Nicht fehlen darf hier der Privilegienbrief, dessen Vergünstigungen Siedler in die Stadt zogen. Herzstück der Schau ist die Schatzkammer des Hauses Baden mit den gläsernen Pokalen des Fidelitasordens, Tafelsilber, Porträts der ersten Ritter oder dem kronenbekrönten fürstlichen Ordenskreuz. Lust und Last des barocken Fürsten werden im Garten deutlich.  Etwa mit Noten der ersten aufgeführten Oper, Musikinstrumenten oder  Besoldungslisten für die Sängerinnen, von denen einige zu Müttern seiner über 20 unehelichen Carls und Carolinas wurden.  Und von den inkognito ab Schröck unternommenen Schiffsreisen nach Holland  brachte er nicht nur (Tulpen-) Zwiebeln sondern auch exotische Tiere und Vögel für seinen reichsweit bewunderten Garten mit.

Wie sehr ihn der Tod des Erbprinzen schockte, zeigt sein durch Krankenberichte oder eine Hausapotheke belegter immer schlechterer Zustand, dem  der eigene sechs Jahre später 1738 folgte. Gekleidet hatte er sich nur noch in Schwarz, Sängerinnen und Musiker waren schon lange entlassen worden.

Führungen, Vorträge, Workshops, exklusive Abende und mehr richten sich an alle Altersklassen (Telefon 0721/926-6520, Internet:  www.landesmuseum.de). Der 336-seitige Katalog ist zum Museumspreis von 29,90 Euro bei Hirmer erschienen.  -cal-

 
 

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