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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. Mai 2015

Stadtbauforum: Bauen im Kontext

KRITISCH DISKUTIERT: Kita des KIT in der Oststadt. Foto: Knopf

KRITISCH DISKUTIERT: Kita des KIT in der Oststadt. Foto: Knopf

 

Blick auf fünf umstrittene Projekte

„Bauen im Kontext – was passt?“ Mit dieser Frage setzte sich unlängst das Stadtbauforum in der voll besetzten Gaststätte Im Schlachthof auseinander.

Fünf Bauprojekte aus jüngster Zeit die mit ihrer modernen Architektursprache polarisieren, wurden ausgewählt: die Kita des KIT in der Karl-Wilhelm-Straße, das Geschäftshaus am Kirchplatz St. Stephan (frühere Drogerie Roth), das Generallandesarchiv (GLA) in der Nördlichen Hildapromenade, das Empfangsgebäude des BGH an der Herrenstraße und das Ettlinger-Tor-Center.

Besetzt war das Podium mit Experten des Karlsruher Gestaltungsbeirats, des Bundes Deutscher Architekten und Bürgermeister Michael Obert. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamts, die eingangs betonte, dass man bewusst Bauwerke ausgesucht habe, die in ihrem historischen Kontext anecken. Professor Dörte Gattermann bescheinigte allen Projekten ein durchgehend hohes Niveau, die ihr jeweiliges Umfeld neu interpretieren.

Konkret ging der Münchner Professor Ludwig Wappner auf die Kita in der Oststadt ein. „Es ist ungewohnt, gefällt mir aber sehr gut. Es hat eine hohe Qualität über seine harte Körnung“. Viel Qualität habe ebenfalls das neue BGH-Entree. Aber: „Ich hätte es mir leiser vorgestellt, nicht so protzig.“

Der Karlsruher Architekt Peter Krebs nannte das neue BGH-Portal einen Solitär, der aber seine Berechtigung habe, wogegen das Ettlinger Tor Center kritisch zu sehen sei. Die Kita lobte er für das subtile Einfügen in den Raum. Letztlich entzündete sich die Diskussion vornehmlich am kubischen Baukörper mit der massiven Sichtbetonfassade. Vor allem bei den Diskutanten im Saal stieß der Kita-Bau auf Befremden. „Er wirkt bedrückend, es passt nicht“, meinte Wolfgang Fritz, der Vorsitzender der AG Karlsruher Bürgervereine. Bürgermeister Obert gestand, ebenfalls Probleme mit der Materialität des Gebäudes zu haben. Dörte Gatermann nannte das Gebäude „ein wenig fremd“.

Eine junge Mutter, deren Kind die Kita besucht, betonte, dass das Gebäude in erster Linie von innen her lebe. Dass moderne Architektur in seiner Zeit oft nicht akzeptiert werde, gab Gatermann zu bedenken. „Nehmen sie den Eiffelturm. Der sollte eigentlich nur 20 Jahre bestehen. Der stieß bei den Parisern auf wenig Gegenliebe. Als die Zeit um, wollte sich keiner mehr daran erinnern.“

Beim Stadtbauforum wurden weitere Punkte angesprochen – das architektonische Erbe der Fächerstadt ebenso wie was die Architektursprache einer europäischen Stadt und ihrer Plätze. Ebenso, was zwischen Avantgarde und romantisierendem Baustil überhaupt möglich sei. Letztlich seien Fassaden Innenräume öffentlicher Plätze und jede Zeit habe ihre architektonische Sprache. Als gelungene Stadtprägende Beispiele der jüngeren Vergangenheit wurden die Badische Landesbibliothek und die Heinrich-Hübsch-Schule genannt. -voko-

 
 

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