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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Juni 2015

Kultur: Globale als „Welt-Deutungs-Schau“

HYPNOTISCHE WIRKUNG: Bei Ryoji Ikedas audiovisueller Installation ist Betreten durchaus erwünscht, allerdings ohne Schuhe. Besucher tauchen buchstäblich in Datenströme ein. Foto: Bastian

HYPNOTISCHE WIRKUNG: Bei Ryoji Ikedas audiovisueller Installation ist Betreten durchaus erwünscht, allerdings ohne Schuhe. Besucher tauchen buchstäblich in Datenströme ein. Foto: Bastian

 

300 Tage stellt sich ZKM-Festival großen Fragen / 7000 Besucher bei Eröffnung

(maf) Globalisierung und Digitalisierung haben tiefgreifende Auswirkungen auf Kultur, Gesellschaft und Selbstverständnis. Mit dem 300 Tage währenden Kunstereignis „Globale“ will das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) mit vielerlei Beiträgen von Kunstschaffenden aus aller Welt die Veränderungen abbilden und sie verhandeln.

Zur feierlichen Eröffnung strömten am vergangenen Sonntag über 7 000 Besucherinnen und Besucher. Und auch der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, und Jürgen Walter, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, ließen sich das Spektakel nicht entgehen.

Die Globale wolle nichts weniger als eine Weltausstellung sein, dabei aber keinesfalls nur neueste Errungenschaften in Kunst und Wissenschaft, Technik und Gesellschaft bejubeln, sagte OB Dr. Frank Mentrup. Sie verstehe sich vielmehr als „Welt-Deutungs-Schau“, gehe „Dingen auf den Grund“, die im Rummel des Kunstmarkts, der Hektik der Tagespolitik und der Begeisterung über technische Neuerungen in den Hintergrund gerieten. Karlsruhe überrasche immer wieder mit „neuen Ideen, Visionen und Entwürfen“, erklärte Jürgen Walter, vor allem das ZKM stehe für den „frischen und offenen Geist dieser Stadt“, die als Teenager daherkomme, aber auch eine beachtliche wissenschaftliche Tradition vorweise. Um Karlsruhe war es auch Günther Oettinger nicht bange. Als weltweit ausstrahlender „Ort der Daten“ sei die Stadt zentraler Bestandteil des nordbadischen Silicon Valley und ebenso gut aufgestellt wie die kalifornische Konkurrenz.

Das ZKM müsse „Kunst immer wieder neu denken“, unterstrich Peter Weibel schon bei der Pressekonferenz im Vorfeld. Das tat die Kulturfabrik für das digitale Zeitalter zum Auftakt mit den Großinstallationen „Cloudscapes“ und „micro/macro“. Was in früheren Epochen gemaltes Abbild war, wird in der modernen Kunst durch Wirklichkeit ersetzt - Landschaften durch LandArt, Stilleben durch Objektkunst. Der Mensch, bislang von der Natur umgeben, umzingle sie nun, könne sie erzeugen, steuern und kontrollieren, so Weibel. Anschauliches Beispiel ist die von Transsolar und Tetsuo Kondo geschaffene Wolke. Sie schwebt durch die Lichthöfe 8 und 9, ist sozusagen eingesperrt in eine irdische Behausung. Über einen Steg gibt es für Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, verschiedene Luftschichten zu durchqueren und auf einer kleinen Aussichtsplattform buchstäblich an Wolken zu kratzen. Unten ist es kühl, in der Mitte feucht-warm und oben herrschen 40 Grad. Sind wie bei der Eröffnung viele Menschen im Raum erzeuge das Turbulenzen „aber ich kann ihnen versprechen, es regnet nicht“, sagte Matthias Schuler von der Transsolar Geschäftsleitung.

Die Gleichung für das 21. Jahrhundert „Medien, Daten, Menschen“ (Weibel) illustrieren Ryoji Ikedas raumgreifende Installationen aus Klang und bewegten Bildern. Eine gleicht einem futuristischen Tanzboden, unterlegt mit schnell fließenden Datenströmen, den man nur ohne Schuhe betreten darf. Und wem schwindelig wird, der kann sich ruhig setzen und Teil dieses Universums werden.  

 
 

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