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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Juni 2015

Kultur: Schaustelle statt Baustelle

RUMHÄNGEN hat bei Johan Lorbeer eine ganz eigene Bedeutung. Foto: Bastian

RUMHÄNGEN hat bei Johan Lorbeer eine ganz eigene Bedeutung. Foto: Bastian

HAUS IM SCHWEBEZUSTAND: ZKM-Chef Peter Weibel und Künstler Leandro Erlich bei der Eröffnung von „Die Stadt ist der Star“. Foto: Bastian

HAUS IM SCHWEBEZUSTAND: ZKM-Chef Peter Weibel und Künstler Leandro Erlich bei der Eröffnung von „Die Stadt ist der Star“. Foto: Bastian

 

Künstlerische Interventionen bei "Die Stadt ist der Star"

(maf) Rene Magritte, der Meister surrealer Szenen, hätte sich nicht besser ausdenken können, was sich während des Festivalsommers zum Stadtgeburtstag auf der Baustelle am Marktplatz abspielt. Da baumelt ein Haus samt Wurzelwerk an einem Kran.

Leandro Erlichs „Pulled by the roots“ ist ein großartiger Blickfang, der überraschte Passanten so aus der Fassung bringt, dass sie glatt aus dem Tritt kommen und hektisch in der Tasche nach dem Smartphone wühlen, um von dieser Absurdität sicherheitshalber ein Foto zu schießen. Ist das Kunst oder ein Missgeschick? Es ist Kunst und sie kann und soll nicht weg. Ausgedacht haben sich diese und weitere künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum unter dem Titel „Die Stadt ist der Star“ ZKM, Stadtmarketing und KASIG. Während der Feierwochen bis 27. September machen zehn Künstler aus aller Welt die „Baustellen zu Schaustellen“ (OB Mentrup), interpretieren banale Dinge des Alltags neu. Der von vielen als störend empfundene Belagerungszustand durch Heerscharen von Arbeitern, Baumaterial, Gerätschaften und Zäunen erscheint in anderem Licht. Ob gestapelte VW-Käfer von Hans Hollein vor dem „K“-Punkt, das leuchtende Klang-Karussell von Tim Otto Roth am Friedrichsplatz oder Erwin Wurms verformter Truck am Weinbrennerhaus - die Irritation ist perfekt. „Unmöglich“ lautete das einhellige Urteil einer staunenden Schar an der Kreuzung Lamm- und Kaiserstraße. Mehrere Meter über dem Boden schwebend und scheinbar schwerelos berührte Performance-Künstler Johan Lorbeer den grünen Baucontainer mit nur einer Hand - über eine Stunde hing er so, nahm Anrufe entgegen, lächelte und plauderte. Das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen & Dragset entschuldigt sich. Für alles Mögliche. Was sie schon in München, Rotterdam und New York getan haben, tun sie jetzt auch vor dem Museum am Markt. Täglich Punkt 12 Uhr holen sie ein Megafon aus einer Glasvitrine und rufen „It´s never too late to say sorry“ („Es ist nie zu spät, sich zu entschuldigen“). Gründe gibt es genug.

 
 

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