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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 26. Juni 2015

Schulen: Kubus der Erinnerung

BU: DER KUBUS entstand in Kooperation von drei Karlsruher Gymnasien mit dem ZKM und erinnert künstlerisch an die NS-Zeit. Foto: Fränkle

BU: DER KUBUS entstand in Kooperation von drei Karlsruher Gymnasien mit dem ZKM und erinnert künstlerisch an die NS-Zeit. Foto: Fränkle

 

Kunstprojekt zum Nationalsozialismus

(jäm) Ein großer Kubus nimmt den Vorraum des ersten Stocks des Helmholtz-Gymnasiums ein. Dieser Kubus ist das Ergebnis der schulübergreifenden Seminararbeit von Helmholtz-Gymnasium, Goethe-Gymnasiums und Bismarckgymnasiums. Thema ist der Nationalsozialismus in Karlsruhe.

In mehreren Gruppen haben sich die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Aspekten der Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945  beschäftigt und ihre Erkenntnisse in künstlerischer Form in den Kubus eingearbeitet. Eine neue Form des Erinnerns wird es genannt. So hängt dort unter anderem ein Portrait von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, der Schüler am Bismarck-Gymnasium war und später dem Krupp-Konzern vorstand, der der größte Waffenproduzent des NS-Regimes war. Bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass das Portrait aus Worten besteht. Das sind die Gedanken von Theresa Mairon, die sich bei der Beschäftigung mit dem Charakter die Frage stellte, ob das humanistische Bildungssystem versagte.

Auf der anderen Seite ist ein kurzer Gang, an dessen Ende auf jeder Seite ein Bildschirm hängt und schweres Atmen zu hören ist. Auf einem Bildschirm ist jemand zu sehen, der flüchtet, auf dem anderen jemand, der verfolgt. „ Blickst du nach vorne, bist du der Täter. Blickst du nach hinten, bist du das Opfer“, fasste Rebecca Klee die Intention dieser Installation zusammen. So könne sich jeder in beide Rollen versetzen und das beklemmende Gefühl sei erlebbar. Da in den Archiven über Verfolgte nicht viel zu finden sei und auch die Familien nichts mehr über die Personen wüssten, sei es allgemein gehalten und die Stimmung statt den Fakten in den Vordergrund getreten. „Jeder könnte anfangen, in seiner Familie zu suchen, bevor die Menschen vergessen werden“, zog Rebecca als Resümee.

Des Weiteren wurden die Rolle der Feuerwehr, die Gestapo, die Arisierung des Kaufhauses Knopf, heute besser als Karstadt bekannt, Solidarität und mehr künstlerisch verarbeitet. Der Kubus kann zu den normalen Schulöffnungszeiten noch bis heute im Helmholtz-Gymnasium besichtigt werden. Am Samstag ist er Teil des Festes der jungen Forscher im Schlossgarten. Vom 29. Juni bis zum 3. Juli macht der Kubus Station im Bismarckgymnasium und vom 6. bis 10. Juli im Goethegymnasium.

 
 

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