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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Juli 2015

Stadtentwicklung: Ein visionärer Blick auf Leitbilder

Lokale Stadtmacher und globale Stadtdenker in unkonventionellem Format / Stadtentwicklungsprozesse diskutiert

Zur langen Nacht der Leitbilder luden kürzlich lokale Stadtmacher und globale Stadtdenker in das Schlachthof-Areal, um gemeinsam mit Bürgern Visionen für die Zukunft der Stadt zu entwickeln.

Bei Popcorn und Cola wurden Perspektivpläne erdacht und Konzepte in lockerer Runde vorgestellt. „Die Stadt neu denken“, hießt der Vortrag von Professor Johann Jessen. Er berichtete von der „idealen Stadt“ und den Leitbildern der 50er Jahre, als es darum ging, Wiederaufbau und Infrastruktur voranzutreiben und Wohnraum zu schaffen. Er nannte als konkretes Beispiel unter anderem die Waldstadt als große Wohnsiedlung im Grünen.

Wichtige Motoren der städtebaulichen Leitbilder seien Urbanität durch Dichte und die autogerechte Stadt gewesen. Später kam der Gedanke der Partizipation und der behutsamen Stadtentwicklung hinzu. „Bürgerschaftliche Mitwirkung und fachliche Expertise wirken zusammen“, so Jessen. Ökologisches Denken und neue Wege der Kommunikation und Mobilität seien beim aktuellen Leitbild „Smart Cities“ wichtig. Und: die soziale Stadt sei eine lohnende Perspektive.

Aus  Freiburg berichtete Pieter van der Kooji. Die Grundsatzfrage sei: Wie viel Raum steht Menschen in urbanen Zentren zur Verfügung? Bauliche Dichte und Freiraum könne man miteinander verknüpfen, indem man Schulhöfe oder Uni-Gelände öffne. Es gehe darum, familienfreundliche Wohnungen, Mehrgenerationenhäuser oder studentisches Wohnen zu schaffen. Keine leichte Aufgabe, schließlich sei Freiburg nach München die teuerste Neubau-Stadt Deutschlands.

Cordelia Polinna vom Wissenschaftlichen Beirat des Stadtentwicklungskonzepts 2030 Berlin berichtete über ihr Aufgabenfeld. Stärkung von Technologie, Kreativwirtschaft und Tourismus seien Teile des Leitbilds. Ein Problem sei die Gentrifizierung. Die Stadt wächst, die Mieten steigen. Einwohner werden von einkommensstärkeren Zugezogenen verdrängt. Als Schlagworte für ein Berlin der Zukunft nannte sie „grün, mobil, smart und solidarisch“.

Kulturwissenschaftlerin Gülsen Ergün sprach von einem Masterplan für Karlsruhe. Als positiv bewertete sie die Bürgerbeteiligungsprozesse bei der Leitbilddiskussion. Benedikt Stoll vom Verein Anstoß wagte mit „United States of Europe“ einen visionären Blick auf Leitbilder. Ferner stellten die Initiatoren des Bürgerhörspiels „Die 5.000 Tulpen des Carl-Wilhelm von Baden-Durlach“ ihr Stück szenographisch vor. -voko-

 
 

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